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Indien: Städtetrips in Rajasthan

In Udaipur hat es 42 Grad als wir ankommen, aber zu unserem Glück regnet es die Tage darauf ein wenig und es kühlt ab, andererseits wäre es laut den Einheimischen nicht auszuhalten. Mit einer halben Millionen Einwohner ist die Stadt verglichen zu Mumbai recht klein, was auch auffällt. Es gibt viele enge Straßen und kleine Gassen, was die Inder natürlich nicht davon abhält durchgehend mit allen Verkehrsteilnehmern, von Kühen, über Roller, Tuk-Tuks und Scharen von Fußgängern bis hin zu bunten Trucks, ein kleines Fiasko zu produzieren. Viel zu tun gibt es nicht hier. Man wird andauernd in irgendwelche Läden reingezogen, es gibt viele Lederwaren und Textilgeschäfte, bei denen man natürlich immer gut feilschen sollte. Am Nachmittag geht öfters mal für ein paar Stunden kein Strom mehr. Wir erfahren, dass Ende März erst das bunte Holi Festival in ganz Indien war und wir leider zu spät dran sind. Am ersten Tag des Festivals werden überall in Udaipur in der Nacht Feuer mit einer Strohpuppe darin verbrannt, am nächsten Tag beginnt das Farbfestival so wie wir es kennen von den kopierten Festivals in Deutschland. Überall wird mit Farbe geworfen, es wird Musik gespielt und getanzt. Die ganze Stadt ist entsprechend dekoriert.

Aussicht vom Rooftop unseres Hostels

Bei unserem Hostel gibt es ein Rooftop von dem aus man die ganze Stadt sehen kann. Man hat einen guten Blick auf den nächstgelegenen See, Udaipur ist mit 17 Seen auch als „City of Lakes“ bekannt. Direkt vor dem Hostel sieht man den nächsten Tempel, der für den Gott Vishnu gedacht ist. Als wir das erste Mal reingehen ist irgendeine Art Zeremonie, wir finden aber nicht heraus was genau. Man muss seine Schuhe ausziehen, die Hände waschen und darf dann in den Tempel. Ein Priester erklärt uns alles, will aber zum Schluss auch eine Spende dafür. Beim Weg durch die Stadt kommen wir auch bei einer Hochzeit vorbei. In Indien werden Hochzeiten oft sehr groß gefeiert und öffentlich. Eine Bühne ist aufgebaut und die Inder tanzen oder haben andere Auftritte vorbereitet. Unsere Anwesenheit stört niemanden, wir werden von Kindern belagert und befragt, bis wir dann wieder gehen. Die Hochzeit ist eher kleiner, nur ein paar Hundert Leute. Bei wohlhabenderen Familien werden um die 1000 Gäste eingeladen und die Feier geht für mehrere Tage. Gerade ist Hochzeitssaison in Indien, wir sehen oft wie eine Art Umzüge auf den Straßen, bei denen der Bräutigam auf einem weißen Pferd den Abschluss des Zuges macht.

Die interessanteste Sehenswürdigkeit in Udaipur ist wahrscheinlich der City Palace, ein riesiger Palast der ein Panorama über die ganze Stadt und den See bietet. Wir besuchen den Palast Abends, wenn er beleuchtet ist. Man kann allerdings nicht auf das Dach hoch. Wir gehen einmal quer durch und sehen uns noch ein teures Hotel und Restaurant an, das auch im Palast ist.

Ansonsten sind es weniger spezielle Gebäude oder Sehenswürdigkeiten, sondern mehr der Flair der Udaipur so besonders macht. Es gibt jede Menge Rooftop-Restaurants von denen aus man Affen beobachten kann wie sie von Dach zu Dach springen. Am Abend fliegen Hunderte Fledermäuse über einen hinweg und umkreisen die hohen Dächer. Alte Inder mit langen Bärten und Gehstöcken sitzen bei Straßenecken, rauchen zusammen und unterhalten sich. Bunte Trucks fahren durch die Stadt. Kühe sind überall und werden auch immer in Ruhe gelassen, ab und zu vielleicht ein wenig weggescheucht. 

 Auch das Essen ist gut, wir probieren Thali – ein typisches indischen Essen eigentlich eher bekannt im Süden Indiens. Es ist Nan-Brot mit mehreren Schälchen mit Reis, Sauce und andere Beilagen. Eine sehr schmale, versteckte Treppe gehen wir vier Stockwerke hinauf bis wir wieder mit Überblick über die Stadt das lokale Gericht essen können. Es ist nicht teuer, die einzige Regel ist, dass man es nicht teilen darf, jeder muss sein Eigenes bestellen. Man bekommt mehr Nan-Brot oder Nachschlag für die Schalen.

Ein cooles Hostel macht sehr viel Unterschied, wir haben ein Partnerhostel vom Backpacker Panda in Mumbai genommen. Man kann Mitglied werden und bekommt dafür vergünstigte Aufenthalte in jedem Hostel der Kette in ganz Indien. Es sind überall super lässige Reisesprüche an der Wand, der Service auf dem Rooftop ist aber schrecklich, ist aber auch allgemein eher ein indisches Ding.

An unserem vorletzten Tag bekommen wir sogar mit wie ein Zyklon durch die Stadt fegt. Wir sitzen gerade direkt am Fluss in einem Restaurant, müssen aber dann unsere Bestellung abbrechen, weil alles im Freien ist und die Bedienungen hauptsächlich damit beschäftigt sind, dass die Tischdeko nicht wegfliegt. Blätter und Äste fliegen in der Gegend rum, wir sehen wie über uns ein Dach abgedeckt wird. Wir waren damit beschäftigt irgendwo reinzugehen wo wir nicht getroffen werden können. Es war aber schnell vorbei. 

Unsere Weiterfahrt nach Jaipur erledigen wir diesmal komfortabel über die RedBus App. Wir haben einen Sleeper Bus gebucht mit eigener Doppelkabine, eine sehr angenehme Art zu reisen. Abgesehen davon, dass der Bus ab und zu ein wenig schnell über Bodenwellen fährt und man plötzlich in liegender Position durch die Kabine katapultiert wird. Aber ansonsten angenehm.

Sleeper Bus

Jaipur ist um Einiges größer als Udaipur. Auf einer breiten Straße fahren wir mit dem Tuk-Tuk durch die Pink-City, ein Stadtviertel und auch Kosename der Stadt. Wegen der Ankunft von irgendeinem Prinzen wurde die Stadt mal rosarot bemalt, mittlerweile ist eher ein orangener Farbton daraus geworden. Heute ist es eher eine Industriestadt mit viel Bergbau-, Textil- und chemischer Industrie. Man wird ständig in Läden reingezogen wenn man durch die Pink City geht, viele Verkäufer von Textilien, die einem alles schneidern können in Leinenstoff, Kashmir oder Pashmina. Auch viele Silberwarenläden gibt es. Da wir fast die einzigen Touristen sind, die rumrennen, geht uns dieses Stadtviertel ziemlich schnell auf den Geist, zumindest die Märkte und penetranten Verkäufer.

Wir schauen uns den Hawa Mahal – auch genannt „Palast der Winde“ – an, von innen und von außen. Wie wir schon öfters gesehen haben kostet der Eintritt mehr für Ausländer als für Einheimische, ein bisschen verarscht fühlen wir uns da schon immer. Wir zahlen ca. das 10-fache. Egal, der Palast sieht super aus und wir machen einige Fotos. 

Wir fahren mit einem lustigen Tuk-Tuk Fahrer weiter zum Floating Palace, wiedermal ein Palast der diesmal direkt im Wasser steht. Beeindruckt uns nicht sonderlich. Danach bekommen wir einen kleinen Einblick in die Textilindustrie. Wir sehen wie der Stoff zuerst auf Rollen aufgespannt gründlich mit heißem Wasser von Keimen gereinigt wird. Anschließend wird mit einer ähnlichen Maschine die Stoffrolle eingefärbt in Olivgrün. Dabei wird der Stoff jeweils von einer Rolle ab- und auf die Andere aufgerollt. Mit einer entsprechenden Führung wird der Stoff an sich dabei durch die jeweilige Flüssigkeit gezogen. Dieser Prozess wird mehrere Male wiederholt. Im nächsten Raum sehen wir wie auf einem fertigen Stück Stoff durch „Block-Printing“ die Muster aufgetragen werden. Per Handarbeit wird wie mit Stempeln das Muster in unterschiedlichen Farbtönen und mehreren Lagen aufgetragen. Am Ende des Prozesses zeigt uns der Ladeninhaber noch sämtliche Anzüge, die anscheinend dieselben Stoffe wie Armani oder Dolce & Gabana verwenden, denn das sind seine Hauptabnehmer. Wenn man dem Ganzen glauben soll, natürlich. Er zeigt uns auch sämtliche andere Stoffe, sehr weiche Kaschmirschals und Alpakadecken, die sich wirklich gut anfühlen, aber wir kennen uns nicht aus, es könnte theoretisch Alles sein.

Später lernen wir noch Raj kennen, der erstmal nur unser Taxifahrer ist, aber nebenbei auch Tourguide, meint er. Wir machen mit ihm eine Tour für den nächsten Tag aus, weil wir nicht mehr wissen, was wir hier noch tun sollen. Raj zeigt uns den Amber Fort, am ersten Aussichtspunkt treffen wir auf zwei Inder, die Kobras in Körben dabei haben und sie mit Flöten und orientalischer Melodie zum tanzen bringen wollen. Am Ende wollen sie natürlich Geld dafür. Das sandfarbene Fort liegt auf dem Hügel vor uns und ist ein riesiges Bauwerk. Wir gehen den ummauerten Weg hinauf. Früher am Morgen sollen hier mehrere Elefanten auf dem Weg zu sehen sein, aber wir sehen später nur einen im Innenhof. Wir gehen das komplette Fort ab mit vielen verwinkelten Gängen und Ecken. Man bekommt eine Aussicht auf die Umgebung zu sehen, eine alte Mauer zieht sich durch die Landschaft, es sieht aus wie eine Mini-Variante der chinesischen Mauer. Oder so wie wir sie uns vorstellen.

Bald sind wir wieder zurück im Auto und überspringen das restliche Sightseeing, zu langweilig. Raj lädt uns ein sein Haus zu sehen, wir kaufen ein wenig Bier ein und fahren zu ihm. Sein Wohngebiet ist wie eine Art Kommune. Es sind viele kleine Häuser mit Wellblechdächern nebeneinander. Wir sitzen im obersten Stock in einem Zimmer auf der Dachterrasse auf dem Boden und trinken Bier. Seine Familie lernen wir auch kennen. Raj zeigt uns seinen Beruf als Puppenspieler und die traditionellen Puppen in seinem Haus (er will uns natürlich auch welche verkaufen). Wir brauchen aber keine. Lange unterhalten wir uns über alles Mögliche, wobei uns auch auffällt, dass er ziemlich oft dasselbe erzählt. Er lädt uns noch ein bei Ihnen zu essen, wir müssen aber relativ viel bezahlen für das Fleisch. Es dauert lange bis das Essen fertig ist, ist aber sehr gut. Alle möglichen Verwandten und Nachbarn kommen auch vorbei. Es kommt uns vor als hätten wir ein großes Buffet ausgegeben. Raj redet oft davon, dass viele Leute in Indien nett zu Touristen sind, solang es um’s Geld machen geht, aber er sei anders. Als er uns bei unserem Hostel absetzt wollen wir ihm auch ein bisschen mehr geben als wir für ein Taxi gezahlt hätten, aber er ist sehr enttäuscht. Er ist davon ausgegangen wir bezahlen ihn für eine Tagestour als Tourguide, einen Preis wollte er aber davor nicht ausmachen und auch nicht sagen wie viel er will. „Just give what you feel.“ Ja, Okay. Hat ja super geklappt mit der Methode. Wir haben schon das Bier und Essen gezahlt und lassen uns nicht mehr außer Trinkgeld aus der Tasche ziehen. Unser Abschied verläuft dann dementsprechend komisch. Es ging eben doch wieder um’s Geld, nur anders verpackt.

Ansonsten haben wir in Udaipur nur einen Entspannungstag übrig. Wir kümmern uns ein bisschen darum unseren Blog aufzuholen und um unsere Weiterfahrt nach Agra zum Taj Mahal.

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