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Indien: Taj Mahal, Varanasi und Neu-Delhi

Wir wollen zum Sonnenaufgang in Agra sein und nehmen deswegen von Jaipur einen Bus um 12 Uhr Mitternachts, die Fahrt soll ca. vier Stunden dauern. Das erste Mal haben wir ein wenig Probleme am Busbahnhof. Der Taxifahrer zeigt nur in irgendeine Richtung als er uns absetzt und wir irren herum. In dieser Gegend stehen überall Busse und es gibt jede Menge Reisebüros, dabei sind die Namen aber nur in Hindi auf den Schildern. Wir fragen Einheimische die irgendwo rumstehen und werden von einem Ort zum Nächsten geschickt. Irgendwann gebe ich mein Handy einfach an einen Inder weiter um mit dem Reiseunternehmen zu telefonieren mit denen wir gebucht haben und wir finden zum richtigen Bus. Es ist eigentlich auch schon nach Abfahrtszeit.

Wir brauchen leider ein bisschen länger und kommen knapp zum Sonnenaufgang an. Anscheinend soll zu der Zeit weniger los sein, allerdings ist Wochenende und es sind schon jede Menge Touristen da. Der Taj Mahal sieht hammermäßig aus. Genau wie alle anderen Touris hier machen wir Fotos von verschiedenen Ecken. Der wohl bekannteste Spot ist dabei direkt vor einer langen rechteckigen Wasserfläche, die den Taj Mahal nochmals gespiegelt zeigt. Dabei muss man sich sogar anstellen zum Foto machen. Unglaublich. Wir stellen uns also an und machen auch mit bei dem Standard-Touri-Scheiß. Hilft ja Nichts, man kommt ja wahrscheinlich nur einmal im Leben hierher. Dabei wird man wenigstens unterhalten. Eine komplette italienische Familie ist da und sie machen einen extremen Aufstand als andere Leute an der Seite zu weit im Bild stehen, sogar so weit dass die Mutter hingeht und sie anschreit und versucht wegzuschieben. In der Warteschlange ist die Stimmung eher heiter. Danach ist die Tochter dran und macht sich auch sehr wichtig. Ein asiatischer Tourist hinter mir findet es auch sehr amüsant. „Ohh, I’m a princess… hahaha.“ Wahnsinn, wie in einer schlechten Reality Show. Wir kriegen es dann aber ohne Aufstände über die Bühne, dass wir jeder einzeln und auch zusammen ein paar Fotos machen.

Als Nächstes kann man noch in den Taj Mahal reingehen, davor bekommt man Papierüberzüge für die Schuhe. Der Taj Mahal ist ein Mausoleum, erbaut von einem Mogul für seine verstorbene Geliebte. Nun sind beide darin beerdigt. Dieses riesen Teil ist also nur für zwei Gräber gebaut worden. Das meiste davon mit weißem Marmor. Wir nehmen noch ein paar Tipps mit von Fotografen, die hier natürlich wieder auf Geld hoffen. Einer dieser Profis zeigt uns genau wie wir Fotos machen zuerst mit Spiegelung des Taj Mahals auf der Sonnenbrille, dann sogar in den Pupillen, dann wimmeln wir ihn lieber ab bevor wir nicht mehr aus der Masche rauskommen.

Den restlichen Tag schauen wir uns nichts anderes mehr an, es gibt wieder irgendein Fort in Agra, aber davon haben wir ehrlich gesagt genug. Wir haben schon einen Bus gebucht der uns über Nacht weiter nach Varanasi bringt – in die heilige Stadt, in der viele Inder entweder ihre verstorbenen Familienmitglieder verabschieden und sie am Ganges einäschern lassen oder selbst hingehen um zu sterben. Wir sind sehr gespannt darauf, was uns da so erwartet.

Den restlichen Nachmittag können wir kostenfrei im Zostel, eine bekannte und gute Hostelkette in Indien, verbringen und lernen dort auch zwei Inder kennen mit denen wir die Zeit gut rumbringen. Wir unterhalten uns und spielen eine Art Fingerbillard, wobei man runde Scheiben mit dem Finger in die Ecktaschen eines Bretts schnippen muss. Am Abend nehmen wir ein Uber zum Busbahnhof und finden, diesmal ohne Schwierigkeiten, gleich zu unserem Bus.  

Wir kommen Vormittags in unserem Zostel in Varanasi an und müssen noch zwei Stunden warten bis wir einchecken können. Dabei lernen wir Gundula aus Deutschland kennen. Sie ist hier für eine Yoga Ausbildung und macht davor noch ein bisschen Sightseeing Tour durch Indien. Unser Hostel bietet eine Bootstour an bei der man den Ganges rauf und runter fährt und später die tägliche Zeremonie an einem der Hauptplätze am Ganges ansieht.

Unser Guide ist ungefähr 1,30 m groß und geht zügig voran als wir von unserem Hostel losgehen, alle paar Minuten sieht er nach hinten ob wir noch da sind. Man verliert ihn aber auch leicht aus den Augen. Wir gehen die Hauptstraße entlang Richtung Ganges. Die Stadt ist sehr belebt, wir haben uns eher eine ruhige heilige Stadt vorgestellt. Es gibt Street Food, Zuckerrohrsaft und Obst Stände an Straßenecken. Eine Eisdielenkette hat auch mehrere Stände und nennt sich „The Gaylord“, interessante Namenswahl. Wie gewohnt in Indien mischen sich auf den Straßen Fußgänger mit Tuk-Tuks, Rikshas, Kühen, Roller und Autos. Wer stehen bleibt in Kreuzungen hat verloren, mittlerweile sind wir es gewohnt uns indian-style durch den Verkehr durchzuschlängeln.

Außer Gundula sind noch drei Inder bei unserer Tour dabei. Unser Guide ist zwar nicht gerade groß aber rudert uns gekonnt den Ganges rauf und runter. Es liegen viele lange Boote an. An den größeren Versammlungen am Fluss haben bereits Menschenmassen ihre Plätze für die Zeremonie gesichert. Wir sichern uns auch einen Platz mit dem Boot, denn auch die Anlegestelle im Ganges ist voller Zuschauer. Einheimische Kinder und Mönche steigen von Boot zu Boot und versuchen Geld zu machen. Sie haben Körbe voller kleiner Gestecke mit Kerzen, die man in den Ganges geben kann, oder rotes Pulver für den Punkt auf die Stirn, das sie einem auch ohne groß zu fragen aufmalen (und dann natürlich Geld wollen). Die Zeremonie endet mit einer Gruppe von Mönchen die Öllampen mit synchronen Bewegungen umherschwenken begleitet von durchgehendem Glockenläuten und Hindu Gesang. Ein wenig erinnert es schon auch an die Kirche die wir gewohnt sind. Nach der Zeremonie bezahlen wir unseren kleinen Ruderer und gehen weiter.

Wir haben schon vom Ganges aus die Verbrennungsstätte am Ufer ein bisschen weiter den Fluss hoch gesehen und wollen es uns näher ansehen. Die Inder in unserer Gruppe raten uns davon ab, aber es interessiert uns einfach zu sehr und wir gehen nur zu Zweit hin. Auf drei breiten Stufen stehen mehrere Verbrennungsstationen, die einfach nur Eisengitter sind mit einem großen Feuer darin. Wir sind zuerst ein bisschen vorsichtig, immerhin verbrennen dort gerade Familien ihre Verstorbenen und wollen vielleicht keine schaulustigen Touristen dabei haben. Ein jüngerer Einheimischer wird auf uns aufmerksam und sagt, dass wir ruhig näher kommen können. „Only two tourists is okay, bigger group is not okay. Come, come.“ Er bleibt natürlich dann die ganze Zeit bei uns und wir können uns schon denken auf was das hinausläuft, aber gut, dafür erklärt er uns ein bisschen was. Die unterschiedlichen Stufen sind für verschiedene Kasten der Verstorbenen. Man muss 200 Kilo Holz kaufen für eine Kremation. Außerdem werden die Feuerstellen von einer Flamme entzündet, die angeblich bereits seit 3500 Jahren brennt. In dem Haus an der Verbrennungsstelle kümmert sich eine Frau darum, dass das „ewige Feuer“ nie erlischt, so wie es die Generationen ihrer Familie vor ihr gemacht haben. Als unser Guide uns das erzählt, erwähnt er auch dass sich viele Familien das Holz nicht leisten können und fragt uns wie viele Kilo Holz wir spenden wollen. Wir kaufen kein Holz, wir geben der Frau ein wenig Geld und sehen uns wieder den Kremierungsprozess an. Vor der Verbrennung wird der Körper auf einer Trage und in ein Tuch gewickelt am Ufer des Ganges gesäubert. Wir sehen eine Familie die gerade dabei ist und eine die vor einer aktiven Feuerstelle steht. Es wird eine Person ausgewählt, die dem verstorbenen angehörigen am Nächsten war oder das älteste männliche Familienmitglied. Dieser ist dann hauptverantwortlich für die Verbrennung, er bekommt seine Haare abrasiert und trägt ein weißes Gewand. Wir sehen zu wie der Verantwortliche für diese Verbrennung eine langen, glühenden Knochen aus dem Feuer nimmt, damit ans Flussufer geht und ihn in den Ganges wirft. Schon ein wenig verrückt, der Umgang mit dem Tod hier. Die Verbrennung gilt dabei als Reinigung aller Sünden. Es gibt einige Ausnahmen von Menschen, die nicht kremiert werden dürfen. Alle Menschen unter 18 gelten als rein und frei von Sünden, genauso wie Mönche oder geistliche Männer. Auch schwangere Frauen dürfen nicht verbrannt werden, wegen dem unschuldigen Baby im Körper. Menschen, die wegen einem Schlangenbiss gestorben sind, erhalten einen ganz speziellen Prozess. Sie werden auf einem kleinen Boot den Ganges entlang geschickt, auf einem Bananenblatt sind alle Einzelheiten zu der Person und der Art des Todes aufgeschrieben. Auf dem Weg soll eine Art heilige Person oder Guru dem Menschen das Gift aus dem Körper ziehen und ihn wieder lebendig machen. Das ist für den Fall, dass der Verstorbene nur in einem Koma liegt. Die Anderen werden in der Mitte des Flusses vom Boot in den Ganges gegeben. Den ganzen Tag läuft das Krematorium, 24/7, ca. 300 Verbrennungen pro Tag. Total verrückt. Wir gehen weiter bevor wir noch eine Rauchvergiftung bekommen.

Auf dem Rückweg zu unserem Hostel sehen wir wieder den Umzug einer indischen Hochzeit und sehen ein bisschen zu. Der Bräutigam macht den Ende des Umzugs und sitzt auf einem weißen Pferd, sie gehen alle in eine Art kleinen Laden rein, mit dem Pferd, es sieht nicht so aus als würden alle Leute da rein passen. Der Bruder des Bräutigams organisiert alles, er kommt auf uns zu und lädt uns ein mitzufeiern. Wir sind ein bisschen fertig vom ganzen Tag und fühlen uns nicht danach so auf eine Hochzeit zu gehen, aber wir schauen rein und sehen es uns kurz an. Es stellt sich raus, dass der kleine Laden eine dekorierte Seitenstraße ist, die weiter hinter in einen großen Saal führt. Alle Gäste tanzen sich mit lauter Musik langsam quer durch den Saal, während der Bräutigam geduldig abwartet und hinterher reitet. Uns werden Getränke und etwas zu Essen angeboten und wir probieren ein bisschen was. Bald darauf gehen wir aber, obwohl der Bruder meint es ist ein Thema geplant für die Hochzeit und wir sollten noch bleiben und es ansehen, aber wir sind zu kaputt und machen sonst nichts mehr für den Tag.

Am Tag darauf machen wir eine Walking Tour, wieder mit Gundula, einem anderen Deutschen aus Singapur, Louis aus Portugal und einem aus Südamerika. Genaugenommen gehen wir wieder einen ähnlichen Weg zum Ganges wie am Tag davor ab, nehmen aber mehr Seitengassen und Tempel mit. Danach gehen wir nochmal mit den Anderen mit zu der Verbrennungsstätte und geben unsere Infos vom letzten Tag weiter, außerdem sehen wir es dann auch nochmal bei Tageslicht. Anscheinend läuft es tatsächlich rund um die Uhr. Beim Rückweg zum Hostel gehen wir zum Essen noch in einen super kleines einheimisches Lokal, es gibt eine Art Teigrollen gefüllt mit Gemüse und indischen Gewürzen, dabei sind die Rollen oft auch mit Ei gemacht. Wir probieren in Straßenläden auch noch indische Süßspeisen, aber sind nicht so begeistert davon. Zufälligerweise treffen wir auch noch auf zwei Freunde von Gundi, die sie schon auf ihrer Reise getroffen hat. Mit der ganzen Gruppe verbringen wir den Abend in unserem Hostel auf dem Rooftop. Es ist Bollywood Dancing Night, aber nicht so richtig organisiert. Jeder tanzt ein bisschen rum wie er meint.

Ganges bei Tageslicht

Wir reisen am nächsten Tag ab. Davor sehen wir uns noch den Ganges bei Tag an. Es geht weiter nach Neu-Delhi mit dem Sleeper Bus.

Von Neu-Delhi haben wir bis jetzt immer gehört, dass es nicht sooo der Wahnsinn sein soll, aber uns trotzdem entschieden hinzufahren, vor allem weil wir dann von dort aus auch am besten weiterreisen können. Unser Hostel ist in einer bisschen widerlichen Gegend. Fliegen sind wie Staub in der Luft. Wir halten uns deswegen nicht viel in der Gegend auf. Durch Neu-Delhi kann man super billig mit der Metro fahren. Man würde nie davon ausgehen, aber wenn man die Treppen zur U-Bahn runtergeht ist es als würde man das Land verlassen und wäre auf einmal in Japan in einem super modernen Bahnhof. Besser fast als bei uns, es gibt an manchen Stationen zusätzlich Trennwände und automatische Türen zu den Schienen. Dann kann man für 25 ct quer durch die ganze Stadt fahren. Der Umstieg auf die andere Linie ist am Boden mit farbigen Fußabdrücken gekennzeichnet.

Insgesamt stimmt es aber, dass es nicht so wahnsinnig viel zu tun gibt hier. In unserem Hostel treffen wir Felix und Philipp, zwei Deutsche in unserem Alter. Nach der Dry City Varanasi, in der man nirgends Alkohol bekommt, haben wir schön langsam wieder Lust ein bisschen wegzugehen und sie sind auch dabei. Leider funktioniert auch das nicht so gut in Delhi. Der Club in dem wir sind ist beinahe leer und wir zahlen 25 € für 5 Bier, dann macht er auch noch um halb 2 zu. Wir trinken dafür auf dem Rooftop vom Hostel noch weiter. Anscheinend muss man wenn man in Indien feiern will wirklich nach Goa fahren, wie es uns auch jeder erzählt. Ansonsten machen wir noch einen Sightseeing Tag. Die Lodhi Gärten sind wie ein zentral gelegener Park mit verschiedenen Gebäuden, hauptsächlich alte Mausoleen, darin. Anscheinend kann Delhi doch auch schönere Seiten haben. Der Lotus Tempel ist auch ein cooles Bauwerk. Aber alte Mausoleen oder irgendwelche großen Tore kennen wir auch schon und wollen nach drei Nächten auch weiter. Wir haben uns spontan entschieden Nepal mit aufzunehmen in unsere Reisepläne und da der Flug so viel teurer ist buchen wir für 30 € einen 24 Stunden Bus von Delhi nach Kathmandu.

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