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Madagaskar: Die Baobab Bäume in Morondava

Nachdem man sonst in Antsirabe nicht viel mehr machen kann, wollen wir beide weiter zu unserem ursprünglichen Ziel: Morondava. Wir versuchen das einzige Bus-Unternehmen zu erreichen, das wir kennen. Die Fahrt startet immer in Antananarivo, aber führt durch Antsirabe. Wir rufen also an und hoffen, dass sie uns auf dem Weg mitnehmen können. Es dauert erst ein wenig bis das Personal jemanden findet der Englisch spricht, aber die Gespräche laufen trotzdem schwierig ab. Fast so als würde man mit einem Automaten reden. Hier das BestOf:

„Hello, we want to book the bus from Antananarivo to Morondava.“

„When you want to go?“

„Tomorrow.“

„You want to go tomorrow in the morning?“

„Yes.“

„There is not free seat tomorrow in the morning.“

„Okay, in the afternoon then, I guess.“

„There is no bus in the afternoon. You want to go at night?“

„Yes.“

„There is not free seat for tomorrow in the night.“

Toll, danke… aber damit haben unsere Probleme noch nicht aufgehört. Da war nicht direkt in Tana buchen, müssen wir das Geld anderweitig einen Tag im Voraus bezahlen. Entweder mit Paypal oder Orange Money (zweiter SIM Karten Anbieter; verknüpft mit Geldkonto und der Möglichkeit Transaktionen durchzuführen). Paypal wäre natürlich super, aber die Webseite ist durchgehend nicht erreichbar. Klasse! Wir gehen zu unseren Rezeptionistin, die uns nach viel hin und her auch nicht weiterhelfen kann. Im Laufe des Tages versuchen wir noch irgendwie den Bus zu organisieren, also freie Plätze zu ergattern und das mit dem Geld zu klären.

„Are there free seats for tomorrow sometime?“

„Sir, do you have Orange Money?“

„No, but are there even free seats?“

„SIR, WITHOUT ORANGE MONEY YOU CANNOT BOOK.“

„DO YOU HAVE FREE SEATS?“

Als würde man mit einer Wand reden. Wir geben auf für heute. Am nächsten Tag besorgen wir uns Orange Money. Eventuell brauchen wir das irgendwann später sowieso nochmal. Es geht öfters einfach niemand ans Telefon, aber irgendwann kommen wir durch und buchen den Bus für den nächsten Morgen. So kompliziert es jedoch war die Tickets zu buchen, uns auf den Weg aufzugabeln ist kein Problem. Vormittags ruft nochmal jemand an und gibt die Telefonnummer des Busfahrers durch. Wir warten eine Stunde an einer Total Tankstelle und werden dann abgeholt. Zehn Stunden Busfahrt Richtung Morondava. Als wir ankommen ist es kurz nach 8 Uhr Abends und dunkel. Wir werden belagert von TukTuk-Fahrern und anderen Einheimischen, als wir kaum aus dem Bus raus sind. „Where you going?“ Das Hostel das wir im Internet gefunden haben existiert wohl nicht mehr.. komisch. Ein Malagasy sagt er hat ein Hostel und wir sind müde, also fahren wir hin. Das Hostel ist ein bisschen abgelegen, man kommt sich vor als würde man auf einer Straße auf den Schrottplatz fahren. Es ist direkt am Meer, aber jede Menge Betonstücke liegen im Wasser. Das Zimmer ist allerdings ganz gut. Sieht fast schon besser aus wie alles was wir davor hatten, auch ein Balkon ist dabei. Eine Kakerlake müssen wir nach draussen befördern, dann blockieren wir sämtliche Türschlitze und gehen noch Abendessen. Morondava hat coole Bars, man sieht viel Reggea und Live-Musik. Wir essen in einem größeren Lokal. Es ist eine ganze Gruppe von Weißen an einem Tisch, irgendeine Madagaskar Hilfsorganisation. Ein Malagasy spielt Gitarre und singt dazu, er spielt hauptsächlich lockere Cover Songs – Redemption Song, Hotel California, usw. Die Support Group ist gut drauf, sie tanzen und singen mit – weiße Hippies. Nach dem Essen gehen wir zu unserem Hotel am Schrottplatz zurück und mindestens fünf Kakerlaken rennen durch unser Zimmer, obwohl wir alle Türschlitze mit Handtücher und Bettdecken versperrt haben. Wir sind sau müde, aber sind uns auch einig: Wir können nicht schlafen mit dem Gedanken, dass morgen 15 Kakerlaken im Zimmer sind, oder durchgehend diese Tiere über einen drübberkrabbeln. Vielleicht sind wir noch zu wenig abgehärtet. Gottseidank haben wir weder unsere Pässe zeigen müssen, noch bezahlt. Also packen wir unser Zeug und flüchten. Es ist schon 11 Uhr, aber wir müssen nicht weit gehen bis uns jemand reinlässt und uns einen günstigen Bungalow zeigt. An sich sieht es da schrecklich aus. Betonkammer mit Dusche in der Ecke. Das Wasser der Dusche läuft sehr schwach, deswegen steht ein Eimer da mit einem kleineren Eimer drinnen damit man sich waschen kann. Ist uns alles egal. „Are there animals inside? You know, cockroaches?“ Wir imitieren mit unseren Fingern an den Köpfen die Fühler um uns verständlich zu machen. Die Nachtwache, die uns die Zimmer gezeigt hat, lacht „ Nooo, No no.“ Wir sehen uns gründlich um und finden auch Nichts, außer einen kleinen Gecko in der Dusche. Endlich können wir schlafen.

Am nächsten Tag sehen wir endlich mal ein bisschen mehr von Morondava im Tageslicht. Wir essen eine Kokosnuss am Straßenrand und gehen mit einem sehr anhänglichen Einheimischen zum Strand. So sehr uns der Hotelbesitzer am vorherigen Tag reingelegt hat mit seinem kakerlakenverseuchten Hotel, er hat nicht gelogen. Ein Hurricane hat Morondava drei Monate vorher erwischt. Viele Bungalow- und Hostelanlagen gibt es nicht mehr. Unter anderem zwei die wir im Internet rausgesucht hatten sind komplett zerstört. Die Trümmer liegen teilweise am Strand. Schade. Morondava war unser erster Halt mit Aussicht auf Baden im Meer und am Strand liegen, aber hier will man nicht ins Wasser. Wir gehen Frühstücken und danach an die Rezeption um uns wegen den Baobab Bäumen zu informieren. Der Fahrer ist bestellt ab 4:30 Uhr bis Sonnenuntergang. Wir packen unsere Drohne ein und warten. Außerdem kümmern wir uns gleich darum hier wieder wegzukommen, denn wir wollen einen Aufenthalt mit Strand. Die Entscheidung fällt uns nicht einfach – in den Norden oder Süden? Im Endeffekt gibt es in beiden Richtungen schöne Orte. Uns geht es hauptsächlich darum nicht mehr so viel Zeit mit Busfahren zu verbringen. Wir finden einen Abflug von Nosy Be nach Mumbai, somit müssen wir nicht mehr in die Hauptstadt zurück am Ende von unserer Madagaskar-Reise. Es steht also fest: Ab in den Norden. Man kann keine Straßen an der Küste entlang nutzen, deswegen kann man auch in die Nationalparks nicht für wenig Geld fahren. Es heißt immer wieder „The road is very bad.“ Wegen der Regen-Saison davor und auch wegen dem Hurricane. Also kommen wir von Morondava aus nicht weiter. Wir müssen wieder zurück nach Tana mit irgendeinem Bus-Unternehmen. Unser Rezeptionist macht uns eine Fahrt für den nächsten Tag klar um 4 Uhr Morgens. 

Alles geklärt, ab zu den Baobab. Der Typ an der Rezeption hat extra erwähnt dass unser Fahrer einen Peugeot 309 fährt. Keine Ahnung warum, ist nicht gerade ein besonders tolles Auto, vor allem für Madagaskar. Wir fahren eine Zeit lang aus der Stadt raus Richtung Baobab Allee. Man sieht schon vereinzelte die dicken hohen Bäume mit kleiner, hoch liegender Krone. Zuerst halten wir bei den Twin-Baobab, zwei Bäume die wie aus einem Stamm gewachsen sind und weit nach oben ragen. Wir schießen ein paar Fotos und fahren weiter. Wir sind natürlich nicht allein auf den Straßen unterwegs, es sind immer wieder ein paar Malagasy und eine Gruppe Kinder unterwegs. Oft auch mit Ziegen.

Twin-Baobab

Wir kommen zu der Baobab-Allee, unser Taxifahrer gibt uns 20 Minuten. Dann geht’s nochmal weiter und zum Sonnenuntergang kommen wir wieder zurück hierher. Der Ausblick auf die Bäume ist überwältigend. Jetzt hat sich alles gelohnt, die lange Fahrt hierher mit dem Bus, obwohl es keinen tollen Strand gibt, alles egal. Das hier muss man gesehen haben, wenn man in Madagaskar ist. So viel ist sicher. Die Baobab sehen nicht aus als wären sie von diesem Planeten. Wir machen einige Fotos und unser Fahrer wartet dann schon wieder am anderen Ende. Eine Attraktion gibt es hier noch: Die „Baobab Amoureux“. Die Liebes-Baobab. Zwei Bäume aus dem gleichen Stamm die sich spiralförmig umarmen. Einheimische verkaufen Miniatur-Schnitzereien davon als Souvenir, aber dafür haben wir sowieso keinen Platz. Man merkt wiedermal, dass Low-Season ist. Außer uns sind fast keine anderen Touristen hier.

Baobab Amoureux

Wir fahren zurück zur Allee, als auf einmal unser Peugeot 309 den Geist aufgibt. Wir denken uns schon Ohoh.. aber unser Fahrer steigt ganz selbstverständlich aus. Motorhaube auf. In Öltank reinblasen. Motorhaube zu. Zündung. Und weiter geht’s. Wir lachen beide und er auch. Sonst ist er eher weniger gesprächig. Er spricht nicht viel Englisch und wahrscheinlich auch nicht viel Französisch. Es kommt uns auch nicht so vor als hätte er viel Ahnung oder Lust mit uns zu reden. Wir fragen ihn einmal wie alt denn so ein Baobab-Baum ist. Er sagt 60 Jahre. 60. Alle von ihnen. Aha. Er ist aber ansonsten ganz angenehm. Wieder zurück in der Allee starten wir mit Drohnen-Videos und machen noch mehr Fotos (besser anzusehen als zu erzählen).

Einmal umkreist sogar ein Malagasyscher Adler unsere Drohne und wir landen vorsichtshalber. Der Sonnenuntergang rückt immer näher. Wir machen uns ein Bier auf und genießen den Ausblick. Seit Längerem bemerken wir schon eine andere Touristengruppe auf uns zukommen und sehen bei Nahem, dass wir sie erkennen. Es sind Norweger, die in Antsirabe in der gleichen Unterkunft waren wie wir. „LovaSoa, right?“ Es sind fünf Frauen und ein Kerl, sie machen in Madagaskar ein Auslandssemester als „Nurse“. Wir tauschen uns aus über unsere weiteren Pläne und über Reiseerfahrungen während des Sonnenuntergangs. Sie erzählen, dass sie am Strand waren.. ein bisschen weiter weg kann man auch Baden gehen. Leider haben wir unsere Weiterfahrt ja schon gebucht, sonst hätten wir vielleicht den Abend mit den Norwegern verbringen können und am nächsten Tag noch ein bisschen Baden. Aber was soll’s. Auch während der Rückfahrt machen wir noch Fotos von den Baobab mit Sonnenuntergang im Hintergrund. Stopp. Motorhaube auf. Öltank. Zu. Weiter geht’s. Insgesamt stirbt unser toller Peugeot 309 fast 10 mal ab. Vor unseren Bungalows bestellen wir uns den Taxi-Fahrer gleich für 3:30 Uhr am nächsten Tag. Morgen wartet wieder eine anstrengende Busfahrt auf uns.

Baobab Trees Drone Footage

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