Kultur  Lifestyle  Menschen

Madagaskar: Durch die Hauptstadt als Vazah

Nach unserer ersten Nacht unterm Moskitonetz verschaffen wir uns während einer Tasse Kaffee einen ersten Überblick über Antananarivo. Wir lernen Juris kennen, ein echter Malagasy der mittlerweile seit einigen Jahren mit seiner deutschen Frau in Berlin wohnt. Er gibt uns einige Tipps für die Erkundigung der Hauptstadt, sowie für den Rest Madagaskars. Gegen 11:00 Uhr gehen wir zur Touristeninfo und buchen eine Tour quer durch die Stadt für 11:45 Uhr.

Erstes Aufwachen unterm Moskitonetz

Unterwegs durch die Stadt müssen wir uns daran gewöhnen, dass wir praktisch die einzigen Weißen sind und dementsprechend auffallen. Man wird grundsätzlich angestarrt, angelächelt und auch sehr oft angebettelt, was in einem armen Land wie Madagaskar natürlich zu erwarten ist. Bis zum Start unserer Tour gehen wir ein weiteres wichtiges Thema an – Handykarte. Ein beliebter Anbieter in Madagaskar heißt Telma. Es gibt ein kleines Häuschen nur wenige Meter die Straße runter von unserem Hostel, aber dann wird es komplizierter. Mit brüchigem Französisch finden wir heraus, dass wird zuerst die SIM-Karte brauchen. Die gibt es aber gleich gegenüber in einem noch kleineren Kiosk für 2,50 €. Zurück im Telma Häuschen versuchen wir zu verstehen was noch notwendig ist. Anscheinend braucht man auch den Pass und muss die SIM-Karte mit seinen Personalien aktivieren. Eine Frau mit Baby auf dem Arm gesellt sich bei dem Durcheinander noch zu uns und versucht sich mit „Monsieur.. Monsieur“ bemerkbar zu machen und nach Geld zu betteln. Solche Situationen sind uns Anfangs sehr unangenehm. Die Telma Verkäuferin gibt mittlerweile alle Personalien vom Ausweis in ihr Handy ein. „Monsieur.. Monsieur“. Die Frau stillt mittlerweile ihr Baby neben uns auf offener Straße. Wir sind froh als wir mit funktionierender Handykarte weiterkommen nach einem Aktivierungsprozess der sich unter den richtigen Umständen scheinbar ewig in die Länge ziehen kann.

Typische Straßenläden

Knapp zu spät zum Beginn der Tour treffen wir auf Tsao, unserem Guide für die nächsten vier Stunden Fußweg durch Antananarivo. So etwas wie „Hop-On-Hop-Off“-Busse findet man in Madagaskar definitiv nicht. Tsao ist 27, sieht aber sehr jung aus. Seit 2 Jahren ist er bereits als Guide tätig. Er erklärt uns, dass Pakistaner und Iraner über sehr viel Macht in Madagaskar verfügen – so viel sogar, dass sie einen Coup (Staatsstreich) durchführen könnten. Wir stehen in der sogenannten Jewelry Road, die voller Schmuckgeschäfte ist. „The gold is ours, but the stores belong to them.“ Weiter auf unserem Weg führt uns Tsao an verschiedensten lokalen Märkten vorbei, durch Gassen in denen Teenager sitzen und Schule schwänzen. Wir treffen auch auf viele sportliche junge Malagasy, die entweder einzeln auf Treppenstufen trainieren oder eine ganze Mannschaft die zusammen durch die Stadt joggen.  Entlang einer schmalen Treppe hinauf zum ehemaligen Königspalast Antananarivos, waschen eine Gruppe von Frauen fleißig jede Menge Kleidung. So bilden sich die Frauen ihr eigenes Business. Die bereits gereinigten Teile sind in der kompletten Umgebung ausgebreitet, damit sie von der Sonne getrocknet werden.

Unser Guide Tsao

Unsere Tour führt uns stetig weiter hinauf in die High City. Wir bekommen dadurch eine wunderbare Aussicht auf die Wohngebiete und das Stadion der Stadt. Einige zerstörte Häuser kann man zwischen den felsigen Hügeln auch entdecken. Vor einigen Jahren gab es einen erheblichen Zuwachs der Bevölkerung Antananarivos, doch die Stadt hat nicht für genügend Wohnmöglichkeiten oder Bauplätze gesorgt. Deswegen wurden Häuser auch in gefährdeten Gebieten errichtet. Jährlich lösen sich Gestein und Felsen in den Hügeln der High City und ziehen neben zerstörten Gebäuden auch mehrere Todesfälle und Verletzungen mit sich.

Aussicht auf Antananarivo

In einer kleineren Straße macht uns Tsao auf eine für uns bekannte Pflanze aufmerksam: ein Weihnachtsstern. In Madagaskar jedoch ist es mehr ein Baum als eine Topfpflanze. Hier nennt man sie „Madagascar“, denn die zur Hälfte gefalteten Blätter ähneln dem Umriss der Insel. Zudem sind die Farben weiß, rot und grün der Flagge von Madagaskar in der Pflanze vereint.

Blatt eines Weihnachtssterns mit der Form der Insel Madagaskars

Während des Rundgangs erklärt unser Guide sämtliche Wörter auf Malagasy. Zu Viele. Die meisten haben wir bald wieder vergessen. „Vazah“ ist uns jedoch im Kopf geblieben wir haben es auch schon öfters von kleinen Kindern gehört die auf uns deuteten. Es ist die Bezeichnung für weiße Menschen. Ist das nicht rassistisch irgendwie? Für die Malagasy ist es eher eine Art die weißen Menschen willkommen zu heißen, es hat eher eine positive Bedeutung.

Aussicht auf Antananarivo

Der ehemalige Königspalast „Rova“ liegt auf der höchsten Erhebung der Stadt. 1995 fiel der Palast einem Brand zum Opfer dessen Ursprung immer noch ungeklärt ist. Deswegen sind außer den Steinbauten die meisten Einrichtungen und auch einige Nebengebäude nicht mehr erhalten. Wir sehen den Palast nur von außen, für eine Besichtigung müsste man extra bezahlen. Wozu denn, wenn innen alles abgebrannt ist. Wir genießen lieber den Aussichtspunkt.

Königspalast Rova


Eine Antwort schreiben