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Madagaskar: Neue Bekanntschaften & Roadtrip

Unsere Fahrt zurück nach Tana ist die Hölle. Die Dauer war auf 10 Stunden angesetzt, aber dauert eher 14 Stunden. Die Straßen sind, wie überall auf Madagaskar, schrecklich. Schlaglöcher alle 50 Meter. Ein ewiges Stop & Go und die Busfahrer fahren wie die Irren. Wir wussten, dass wir früh raus mussten, aber haben trotzdem nur zwei Stunden geschlafen. Der Rezeptionist hat die Busgesellschaft ähnlich komfortabel wie die Vorherige beschrieben, nur billiger. Aber man sitzt Schenkel an Schenkel im Bus und für Leute über 1,80 Meter wie mich geht man in der letzten Reihe sitzend mit dem Kopf an der Decke an. Klasse. Eine Aussicht auf Schlaf ist chancenlos. Julian hingegen hat die Hälfte der Fahrt geschlafen. Er kann grundsätzlich unter allen Umständen schlafen. Die drei Stopps die man während der Fahrt macht, sind die gleichen wie bei der Hinfahrt zu Morondava. Beim ersten Stopp schnallt unser Fahrer noch einen Korb Hühner auf den Dachträger. Viel Spaß da oben. 

Zurück in der Hauptstadt nehmen wir gleich wieder unser uns bekanntes Hostel – Madagascar Underground. Wir sind fertig ohne Ende und schlafen schon um 9 Uhr.

Für den nächsten Tag hatten wir schon etwas geplant. Jetzt wo wir die Baobab gesehen haben, bleiben uns nur noch Tiere, also Nationalparks, und Strand. Andasibe-Mantadia soll ein sehr guter Nationalpark sein und ist relativ nahe zu Antananarivo. Man kann dort die Indri sehen, die größte Art der Lemuren mit schwarzem Fell. Jedoch gibt es wieder Probleme. Es ist doch relativ weit entfernt und (wiedermal) sind die Straßen im Nationalpark gerade nicht gut befahrbar. Vermutlich wegen der Regen-Saison. Der Typ an der Rezeption telefoniert ein bisschen rum, wir nennen ihm absichtlich einen zu niedrigen Preis was wir zahlen würden, nur als Test. Aber es macht keinen Unterschied. Der Guide sagt mit der Fahrt und Eintritt in den Park, usw. geht es nicht billiger als 600.000 Ar. Also 150€. Viel zu teuer. „Yeah, you’re right. This is like 2 months of wages for me.“ Wenn sogar schon der Rezeptionist der selben Meinung ist..

Also legen wir einen Chill-out Tag ein. Später holen wir uns ein paar Bier und hören Musik auf dem Balkon im Hostel. Facetimen mit Freunden von daheim. Tut gut so ein Entspannungs-Tag. Wir gehen danach zur Hostel-Bar und wollen da noch ein Bier trinken. Dabei treffen wir auf Max. Er war schon öfters hier, ist uns gleich aufgefallen, denn er hat seinen Australien Shepherd immer mit sich dabei- sie heißt Prana. Julian kommt an der Bar mit ihm ins Gespräch und erzählt von unseren Plänen in den Norden zu fahren, Richtung Nosy Be. Er sagt, er muss in die selbe Richtung und lädt uns ein bei ihm mitzufahren. Sein Auto wird morgen hierher gefahren und noch ein anderer Franzose ist dabei. Er ist auch Franzose, sein vollständiger Name ist Maxime. Wir haben zwar schon eine Weiterfahrt an der Rezeption gebucht, aber wollen beide lieber mit ihm fahren. Er hat einen Geländewagen gekauft, hat also genug Platz. Außerdem ist auch der Hund mit dabei. Damit ist es wohl safe. „Should we maybe call the bus company to cancel?“ Ne, kein Problem. Die sehen dann schon, dass wir nicht da sind. Wir legen die Abfahrt auf ca. 14 Uhr am nächsten Tag und er verabschiedet sich für den Abend. Wir spielen noch Billard und sind extrem schlecht, gewinnen aber durch Glück das erste Spiel gegen Einheimische. Das Zweite verlieren wir erbärmlich. Am Tag darauf stellt sich uns Lucas vor, der andere Franzose. Er trinkt schon ein Bier und wir machen mit, spielen eine Runde Billard (sau schlecht) um uns kennen zu lernen. Wir merken schon, dass wir gut klarkommen und trinken noch ein Bier. Wir tauschen unsere bisherigen Reiseerfahrungen aus. Lucas war auch schon mal für sechs Monate auf Madagaskar, er war auch schon lange Zeit in Vietnam und spricht ein wenig Vietnamesisch. Max kommt kurz nochmal vorbei und sagt uns, dass es anscheinend länger dauert mit dem Auto. Zwei Stunden später geht’s dann aber los. Wir holen noch Wasser aus dem Supermarkt während Max und Lucas (und Prana) das Auto beladen. 

Zurück am Auto wo Max die letzten Dinge klärt mit seinem Autokauf. Er hat bereits jede Menge Zeug im Kofferraum, aber in einem 4×4 Pickup hat man auch viel Platz. Es liegen 900 Kilometer mit schlechten Straßenverhältnissen vor uns. Zwei Deutsche, Zwei Franzosen und ein Hund – Der Roadtrip Richtung Nosy Be geht los! 

Wir stehen erst eine Zeit lang im Stau bei unserem Weg aus Tana, wie immer eigentlich wenn man in Tana unterwegs ist. Uns fällt gleich auf, wie viel leichter es Max und Lucas haben mit den Einheimischen Kontakt zu haben. Abgesehen davon, dass beide schon für längere Zeiträume in Madagaskar waren, sprechen natürlich auch beide Französisch als Muttersprache. Wo wir versuchen bei bettelnden Kindern Obst zu verschenken oder zu ignorieren, bleibt Max einfach locker. „Tu crois que je suis une banque?“ („Seh ich vielleicht aus wie eine Bank?“) Sie feilschen viel besser, zeigen uns Einiges an Früchte und Essen, was wir noch nicht probiert haben. Mein Lieblingssnack davon ist Copa. Gepresste Bananen mit Nüssen oder Ähnlichem, eingewickelt in Bananenblättern. Schmeckt super. Lucas und Max handeln mit viel Gelächter und bekommen im Endeffekt sechs Stück für 1.000 Ar, 25 Cent. Aus der Stadt raus fahren wir erstmal noch zu einem Markt für wertvolle Steine. Wir merken schnell, dass Max ein bisschen verrückt ist. Er kauft viel Zeug ein und hat schon den ganzen Kofferraum voll. Zwischendurch stehen ungefähr zehn Malagasy um den Kofferraum und versuchen zwei riesige Steine mit Kristallen hineinzukriegen. Beide zusammen haben um die 250 Kilo. Die Einheimischen versuchen einem Rubine, Saphire und so weiter anzudrehen. Wahrscheinlich sogar zu einem guten Preis, so dass man damit wirklich Geld machen kann, so fern sie echt sind. Wir haben keine Ahnung von Edelsteinen, also kaufen wir Nichts. Ich nehme mir lediglich für wenig Geld einen trüben durchsichtigen Stein mit als Glücksbringer und als Dankeschön an einen Einheimischen, dass er mir den Weg zur Toilette gezeigt hat. An der Kreuzung, an der wir parken stehen viele Malagasy und warten auf Taxis oder Bussen. Sobald eine Möglichkeit da ist, stürmen sie alle in die selbe Richtung, werfen sich zu sechst in Taxis oder belagern die Taxi-Brousse. Es ist irre anzusehen. Prana rennt umher und verjagt die Straßenhunde.

Bei unserem nächsten Stopp nehmen wir zwei stehende Holzskulpturen mit. Julian steht auf dem Dach und versucht sie mit zwei Spanngurten und vier dicken Schnüren zu befestigen. Wir ziehen von allen anderen Seiten fest, der Verkäufer sieht uns dabei zu und ist sich sicher: „Ca ne bouche pas.“ Da bewegt sich Nichts mehr, sieht gut aus. Es ist jetzt schon sehr dunkel und Max will bald irgendwo einkehren, man sieht die Schlaglöcher nicht mehr gut und es ist grundsätzlich eher keine gute Idee Nachts zu fahren. In einer kleinen Ortschaft klopft Max bei so einer Art Hostel oder Restaurant und organisiert noch ein Abendessen für uns und eine Übernachtung. Es ist eigentlich nur der Bruder des Besitzers und es gibt auch offiziell kein Essen mehr aber er kocht trotzdem für uns. Max will nur sein Auto nicht einfach irgendwo stehen lassen, vor allem weil der Kofferraum nicht abschließt. Wir suchen einen bewachten Parkplatz, aber es macht uns keiner auf, also stellen wir es einfach gegenüber von der Bank ab. Dort muss immer eine Wache sitzen. Am nächsten Tag bekommt er ein „cadeau“ – Geschenk – dafür, dass er auch auf das Auto mit aufpasst. Inzwischen haben wir ein gutes Omelette als Abendessen und noch ein paar Bier, gehen aber bald ins Bett.

Am Morgen wollen wir früh weiter. Wir brechen so um 4 Uhr auf, klettern über den Zaun, weil noch niemand wach ist. Max legt ein spirituelles Elektro-Set ein um den Tag zu starten. Er ist allgemein ein sehr spiritueller Kerl, macht Yoga, hat eine sehr positive und tiefsinnige Einstellung zum Leben. Fleisch isst er nicht, keine Säugetiere, nur Fische. Säugetiere sind zu nah an unserer DNA, meint er und das verringert unsere Frequenz. Oder so ähnlich. Lucas ist ganz anders, er trinkt gerne Bier und feiert gerne, und ist auch ein angenehmer Kerl. Oft reden sie auch lange Französisch miteinander, dabei redet meist Lucas. Nach zwei Stunden Frühstücken wir bei Sonnenaufgang in einem kleinen Dorf. Wir probieren Bohnen, Reis und irgendwas Grünes, Algenartiges. Lucas kauft noch überbackene Bananen. Danach springt unser 4×4 nicht an und wir müssen mit Anschieben starten. Wir fahren den ganzen Tag durch und kommen gut voran. Es ist sehr heiß an dem Tag. Prana sitzt normal immer zwischen Fahrer und Beifahrer, aber als sie das erste Mal schwimmen geht ist sie im Fußraum des Beifahrers. Die Plätze wechseln wir auch durch. Fahren will aber meistens Max. Nach zwei weitere Male Anschieben bemerkt er, dass die Batterie einfach nicht richtig angeschlossen war. Obwohl wir den ganzen Tag fahren, schaffen wir es immer noch nicht bis zu Max’s Haus an dem Tag. Auf einmal wird die Straße wieder schlechter und man kommt langsamer voran. Wir nehmen uns schöne Bungalows und gehen gut Essen. Durch die Steine kommen wir nicht an unser Gepäck und tragen seit zwei Tagen die gleichen Klamotten. Die Dusche tut uns aber gut und wir fühlen uns trotzdem frisch. Im Restaurant probieren wir Romazavo, typisches Malagasy Food, praktisch eine Suppe mit Hühnchen und Reis dazu. Aber die Hühnchenteile sind mit viel Knochen und eher wenig Fleisch, nicht so das Unsere.

Am nächsten Tag freuen wir uns, dass wir bald ankommen. Wir haben nur noch ca. 150 Kilometer vor uns und starten so um 8 Uhr. Zum Frühstück kaufen wir auf dem Weg ein wenig Copa und Früchte. Die Landschaft verändert sich mittlerweile. Statt einzelner Bäume und weiten grasbewachsenen, manchmal auch trockenen Landstreifen und Hügeln kommt man sich jetzt eher so vor als würde man durch den Dschungel fahren. Mit Mangrovenbäumen und Palmen rundherum, schon viel besser.

Die Fahrt zieht sich trotzdem wieder um einiges länger als gedacht. Erst um 15 Uhr kommen wir an. Und sind sehr überrascht. Max hat schon erwähnt, dass er keinen Strom in seinem Haus hat, also hatten wir keine große Erwartungen. Aber es ist eine Villa. Eine Villa direkt am Strand und dort sind wir jetzt und können die nächsten drei Tage verbringen. Wir steigen aus und gehen sofort ins Meer. Mit ein wenig Glück haben wir einen extrem entspannten Ort gefunden, mit lässigen Menschen und Strand vor der Haustür. Endlich!

Sonnenuntergang am Strand vor Max’s Haus

Ein Kommentar

  • Peter

    Servus Julian,

    jetzt erst komme ich endlich mal dazu, mir Deine Webseite anzusehen und Dir auch zu schreiben. Ihr erlebt ja hammermäßige Abenteuer, ja wie geil ist das denn? Ich habe noch nicht alles gelesen, aber was ich erfahren habe, klingt wirklich unheimlich spannend und aufregend! Weltklasse!!!

    Ich werde nun regelmäßig Eure wirklich spannenden Reiseberichte lesen und Dir auch öfter schreiben. Und bin wirklich gerade etwas neidisch auf Dich… 🙂

    Pass weiterhin gut auf Dich auf, sei neugierig und komm ja gesund wieder!

    Herzliche Grüße

    Peter

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