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Madagaskar: Wandern im Hochland von Antalaviana

Nach unserer Tour in Tana (Kurzform v. Antananarivo) wollen wir so bald wie möglich weiter und buchen eine Fahrt nach Antsirabe – Richtung Süden von der Hauptstadt. Die Fahrt ist angenehm und wir finden dort ein super billiges Dormitory für 4€ die Nacht. Außerdem sind wir auch noch allein drinnen. Wir essen nur noch am Abend und gehen dann bald schlafen.

Am nächsten Tag verlieren wir keine Zeit und fragen nach dem Aufstehen direkt nach möglichen Touren um Antsirabe. Es geht nur mit privatem Fahrer und Guide. Die Rezeption organisiert für uns ein Treffen in einer halben Stunde mit einem Malagasy um den Preis zu verhandeln. Inzwischen kaufen wir uns zum Frühstück zwei Teigringe und zwei Kaffee für 25 Cent. Wir treffen Nomeda und er erklärt uns die möglichen Touren. Wir entscheiden uns für eine Wanderung im Süden Antsirabe’s mit einem Einblick in einen traditionellen Malagasy Lifestyle und anschließendem Baden bei Wasserfällen. Jedoch ist der Preis dafür noch viel zu teuer, er schlägt uns 350.000 Ar vor. Nachdem wir ihm allerdings erzählen, dass wir länger unterwegs sind und nicht so viel Budget dafür haben einigen wir uns auf 220.000 Ar – ca. 30 Euro pro Person. Wanderschuhe, Badehose, Drohne und unsere kompletten Daypacks mit allen elektronischen Geräten und Dokumenten nehmen wir mit. Wir haben keinen Locker und sind immer noch eher vorsichtig.

Nach dem Losfahren halten wir nochmal kurz und nehmen noch einen Malagasy mit. Es sind jetzt Nomeda und noch zwei Guides. Nomeda ist der Älteste, er hat das Meiste der Organisation der Touren selbst auf die Beine gestellt, Geld zusammengebracht um die Autos zu kaufen und das Geschäft aufzubauen. Die anderen Beiden sind wie seine Auszubildenden. Er will sie mitnehmen, damit sie dabei etwas lernen. Er sagt ihm ist Geld nicht sehr wichtig. Wichtiger ist es den Einheimischen etwas zurückzugeben und den Leuten zu zeigen, dass es möglich ist selbst etwas zu erschaffen. Er erklärt uns viele Dinge während unserer gemeinsamen Fahrt und stellt uns auch einige Fragen. „So why did you chose Madagascar?“ Schon wieder… Wir geben wieder die selbe Antwort. Keine Ahnung, vielleicht erwarten die Leute eine bessere Erklärung, aber wir fanden Madagaskar als Ziel einfach nur exotisch. Das ist Alles. Wir fahren zuerst zum Supermarkt und kaufen gemeinsam mit unseren einheimischen Begleitern Proviant und Bier für die Fahrt. Wir nutzen dafür auch das Geld, das wir für die Tour bezahlt haben. 50.000 Ar gehen also schon mal für das Proviant drauf. Die Guides sind gut gelaunt, als wir wieder im Auto sitzen. „Life is good with you guys“. Wir fahren Richtung Süden aus der Stadt heraus. Es kommen uns viele alte Mercedes LKWs entgegen. Es kommt einem so vor in Madagaskar als ob alle alten Fahrzeuge aus den First World Countries hier her geschifft wurden. Als Nächstes stoppen wir kurz nach einer Brücke. Einheimische arbeiten unten im Fluss, sie schaufeln sandähnliches Material zusammen, das in der Stadt für Bauarbeiten benutzt wird. Die Männer benutzen die Schaufeln, die Frauen tragen Säcke mit dem gesammelten Sand auf dem Kopf zum nächsten LKW. Die Frauen lernen es bereits als Kind Behälter auf ihrem Kopf zu balancieren, meistens sieht man sie mit Obstkörben.

Einheimische arbeiten am Fluss

Wir fahren weiter durch eine Landschaft voller Reisfelder und einfachen Holzhütten. Das Dach der Hütten ist mit getrockneten Gräsern bedeckt, wobei entweder Überreste der Reisernte oder Langgräser verwendet werden. In einem kleinen Dorf stellen wir das Auto ab und starten unsere Wanderung. Die Gegend heißt Antalaviana. Unser Ziel ist der „Red-headed Rock“, ein Felsen mit rötlicher Färbung. Einer unserer Guides ist im Nachbardorf aufgewachsen. Bald kommen wir an einer Schule vorbei, er erzählt uns er ist dort auch in die Schule gegangen. Die Schüler tragen manchmal blaue Uniformen. Eigentlich sollte es auch gelbe für die Jüngeren geben, aber Niemand trägt sie. Wir werden beim vorbeigehen von allen Kindern angelächelt und begrüßt. Sie sind es nicht sehr gewohnt besucht zu werden und sind vor Allem bei Vazah (Weißen) immer aufgeregt. „Salami ! Salama!“ Die Begrüßung auf Malagasy kann man mit beliebigen Vokalen enden. Nomeda erklärt uns, dass es mit der jeweiligen Stimmungslage zu tun hat. Er erzählt uns auch von der politischen Lage in Madagaskar. Von unserer Tour mit Tsao wissen wir bereits, dass der vorletzte Präsident Ende Januar wiedergewählt wurde. Die Guides sind sich alle über Ihn einig. „Very much corruption“. Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Welt, das wussten wir nicht. Es ist auf Platz 184 weltweit, nach Nomeda. „But our president he drives the same car as the American president. A Cadillac. One of the most expensive cars in the world.“ Mittlerweile sind wir ungefähr zu Fünfzehnt unterwegs, einige Kinder haben sich uns angeschlossen und gehen ein Stück mit. Sie berühren einen ab und zu bei den Armen, so als würden sie nicht glauben dass man tatsächlich da ist. Nach einer Weile bleiben sie stehen und winken zum Abschied. 

Malagasy Schüler auf dem Pausenhof

Die Malagasy haben viele alte abergläubische Traditionen. Die Früchte von einem Baum zu pflücken bringt Unglück, man muss warten bis sie von selbst runterfallen. Als wir eine Spinne entdecken, erzählt ein Guide, dass er als Kind von seinem Großvater gezwungen wurde so eine zu essen. Anscheinend stärkt es das Immunsystem. Viele Ameisenhügel sind auf unserem Weg, manche davon mit und manche ohne Öffnung an der Spitze. Wir erfahren von der Geschichte über Ameise, Frosch und Schlange. Der Frosch überfällt den Bau um die Ameisen zu essen. Die Schlange wittert den Frosch und begibt sich auch durch das Loch an der Spitze um den Frosch zu essen. Dabei bricht der Eingang zusammen und die Schlange ist eingesperrt. Sie stirbt und wird dann von den Ameisen verspeist. Auf unserem Weg finden wir auch noch den bekannten Aloe Vera Kaktus. Es wachsen viele davon in der Nähe von Felsen und trockenen Landschaften.

Wir machen Halt bei einer Malagasy Familie die nach traditioneller Art leben. Vor der steinernen Hütte ist ein Zebu und ein paar Hühner unter einem schattenspenden Stall. Ein Teppich liegt im Hof auf dem Reiskörner getrocknet werden. Wir betreten den unteren Raum des Hauses. Es ist sogar eingeheizt, obwohl es sehr heißt ist. Der ganze Raum ist voller Rauch. Unser Gastgeber öffnet zuerst das Fenster und wir setzen uns auf den Boden. Nomeda erklärt uns, dass die Fenster der Häuser immer nach Westen ausgerichtet sind. Somit wollen die Einheimischen die Wärme der Sonne so lange wie möglich ausnutzen. Die Frau unseres Gastgebers kommt mit gekochten Süßkartoffeln als Geschenk, sehr lecker !

Im Eingang des Raumes tummeln sich immer mehr Kinder. Nicht alle aus dieser Familie, aber auch die Kinder aus der Umgebung die mitbekommen haben das Besuch da ist. Im Nebenraum steht ein weiterer Zebu.

Wir gehen in das obere Stockwerk und sehen uns das Schlafzimmer von der Familie an. Danach machen wir noch ein Gruppenfoto mit Allen, bedanken uns und gehen weiter.

Gruppenfoto mit einer traditionell lebenden Malagasy Familie

Die Wanderung wird langsam anstrengend und die Sonne brennt gnadenlos auf uns runter. Unsere Guides sind das Klima gewöhnt und vermutlich auch die Wege. Einer davon ist 31, sieht aber viel jünger aus, und wiegt wahrscheinlich nur 50 Kilo. Er geht immer voraus und ist am flottesten unterwegs. „You are not even sweating.“ Sag ich zu ihm schon komplett außer Atem und er lacht. Unsere Wanderung führt uns an einem Bergkamm entlang, der das Tal umrundet in dem unser Auto geparkt ist. Auf einem grasgrünen Hügel treffen wir auf ein paar grasende Zebus und machen Fotos mit ihnen. Bald sind wir vor dem „red-headed rock“ und müssen noch ein bisschen klettern um hochzukommen. Oben genießen wir den Wind und die Aussicht: ein Portrait aus Hügeln und Reisfeldern. Wir gehen wieder runter und essen das Proviant das wir davor eingekauft haben. Für Bier ist leider keine Zeit, es kommen dunkle Wolken auf uns zu und wir müssen uns beeilen. Beim Weg nach unten treffen wir auf drei Einheimische, die bei einem Granithaufen auf etwas warten. Unsere Guides fragen ob sie nicht vor dem Regen flüchten wollen, aber sie müssen noch auf den LKW warten, der das Granit abholt. Unvorstellbar das hier ein LKW hochfahren kann. „This is the route the truck takes.“ Auch Nomeda lacht dabei.

Hügellandschaft Antalaviana

Bei der Rückfahrt trinken wir dann Bier. Wir haben noch Zeit übrig für unseren Ausflug, da wir vom Regen unterbrochen wurden. In einem Workshop der Einheimischen sehen wir uns noch an wie Zebu-Horn zu allen möglichen Dinge verarbeitet werden. Tierfiguren, Kämme, Würfel, Salatbesteck, Dominosteine und vieles mehr. Es ist ganz nett anzusehen, aber für unseren Geschmack zu touristisch. Zum Schluss kommt man natürlich in den Souvenir Shop. Insgesamt sind wir jedoch froh, dass wir den Ausflug gemacht haben. Wir tauschen uns noch auf Facebook aus, damit wir Nomeda Bilder von der Wanderung senden und ihm eine Empfehlung schreiben können. Dann verabschieden wir uns und überlegen wie wir den Tag noch nutzen könnten. Wir wollen beide weiter zu unserem ursprünglichen Ziel: Morondava. Stay tuned !

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