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Myanmar: Alte Tempelstadt Bagan via E-Scooter

Dieses Mal geht alles gut mit der Busfahrt, also kommen wir zu einer ungünstigen Zeit mitten in der Nacht an und brauchen ein Bett. Wir finden ein Hostel mit Night Check-in für 3000 Ks. Als wir nach ein paar Stunden Schlaf wieder auschecken ist der Manager da, er sagt die 3000 Ks wären nur der Preis für den Night Check-in sonst gibt es den normalen Zimmerpreis. Wir sagen Nein.. war anders ausgemacht mit seinem Typen der in der Nacht da war. Nach ein wenig diskutieren war der Manager sehr wütend, aber wir zahlen im Endeffekt nur 3400 Ks jeder. Ist ja nicht unser Problem, dass sein Mitarbeiter kein Englisch spricht.

An der Stelle verabschieden wir uns von Jasper, wir wollten nicht den ganzen Myanmar Urlaub zu Dritt verbringen und er war uns auch teilweise ein wenig zu cool. Wir fahren zu einem Hotel mit Doppelzimmer ein wenig außerhalb Bagan, gehen kurz Mittagessen, aber dann bleiben wir im Zimmer. Es ist einfach nicht auszuhalten hier – 43 Grad und extrem trocken. Es ist wie in einer verdammten Wüste. Erst um 17 Uhr gehen wir wieder raus, leihen uns einen E-Scooter aus und fahren Richtung Bagan. Alle Touris bekommen nur E-Scooter, vielleicht wegen irgendeinem Umweltding. Die Einheimischen, die jeden Tag unterwegs sind, fahren dagegen mit normalen Rollern. Uns sind unsere Scooter zu teuer und langsam. Wir haben von Theresa gehört wo es welche auszuleihen gibt für nur 3000 Ks den ganzen Tag. Die Scooter gehen um die 60 Km/h, besser als unsere und kosten weniger. Die nächsten drei Tage fahren wir damit die Tempel um Bagan und Old Bagan ab, meistens aber nur Vormittags ab Sonnenaufgang. Um Mittag rum ist es sogar mit Fahrtwind zu warm. Gott sei Dank gibt es Klimaanlagen. Erst ab Abends und zum Sonnenuntergang fahren wir dann nochmal ein bisschen rum, gehen irgendwo zum Essen und tauschen gleich wieder die Roller gegen welche mit voller Batterie aus.

Wir waren eigentlich der Meinung, dass wir mittlerweile die Schnauze voll hätten von Tempel, aber die in Myanmar haben wieder einen ganz anderen Stil. Authentischer, oder vielleicht älter, finden wir. Es sind immer unterschiedlich große und es gibt wahnsinnige viele in Old Bagan. Mehrere Tausend davon sind in der grünen Landschaft verstreut. Einige sind auch viel größer und bekannter, oft mit Treppen die auf ein Plateau an der Spitze führen. Man darf aber selten hochgehen, anscheinend erst seit Kurzem wegen neuer Regierung oder irgendsowas. Am ersten Tag schauen wir bei einem solchen Tempel vorbei, daneben gibt es auch einen Lying Buddha. Eine liegende Buddha Statue, ungefähr 20 Meter lang. Nicht sehr groß im Gegensatz zu der die wir in Bangkok gesehen haben. Bei jeder Treppe des Tempels sind Schilder „No climbing“. Als wir ein bisschen mit den Einheimischen reden erklären sie uns auch dass wir hier nicht hochdürfen. Nach einer Weile überlegen sie es sich aber anders und sagen wir sollen auf der Hinterseite hochgehen. „But psssst… and stay down when you are up.“ Wir gehen also hoch und werden auch nicht entdeckt. Eine der Frauen mit denen wir gesprochen hab, hält sogar Ausschau für uns oder lenkt die Verantwortlichen unten ab.

Besondere Probleme hatten wir dabei einen guten Tempel für Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zu finden. Zuerst waren wir beim Sunset Hill, aber das war wirklich nur ein ganz kleiner Hügel von dem man nicht mal so eine gute Sicht hat, dafür trotzdem voller Touris. Einmal hatten wir nochmal denselben Tempel probiert, den wir ja jetzt sowieso schon illegal hochgeklettert sind. Leider sind zu der Zeit die ganze Zeit Einheimische mit Rollern unterwegs, weil sie immer versuchen dir einen besseren Spot zu zeigen nachdem sie dir erklären, dass man nicht hochgehen darf. Sie wollen dann übrigens nicht direkt Geld von dir, sondern ihre Zeichnungen verkaufen sobald man sich verabschiedet. Andere Länder, andere Maschen. Uns passiert das auch, als wir versuchen hochzuklettern. Wir gehen gerade mal ein paar Stufen an dem Schild vorbei als uns schon eine Burmesin vom Roller aus zu ruft… jaa wir wissen Bescheid, wir gehen schon wieder runter. Davor sind wir auch an einer Schlange vorbei, also weiterhin Augen auf !

Wir haben zu der Zeit mittlerweile zu lange gebraucht und versuchen es beim nächsten Sonnenaufgang nochmal. Einen Tempel finden wir noch über Maps.Me, dabei steht zwar dass man eigentlich nicht hoch darf, aber man theoretisch über ein geschlossenes Eisentor klettern kann. Wir hören dasselbe auch nochmal von anderen Touristen am Abend zuvor, die sagen dass es sich lohnt. Wir probieren es also am Morgen und fühlen uns wie bei Indiana Jones. Der Tempel ist nicht mal so klein, alles ist ruhig am Morgen. Drinnen ist man dann allein mit einer riesigen sitzenden Buddha Statue. Schon ein bisschen gruselig. Wir gehen einen sehr schmalen Treppenaufgang an der Seite hoch und finden das Tor. Wir klettern mit wenig Anstrengung drüber und den restlichen Weg hoch. Auf der Dachterrasse des Tempels ist die Aussicht viel besser wie auf dem Touristenhügel. Man kann sogar einmal außen rum gehen. Wir genießen den Sonnenaufgang und weil wir sowieso schon nicht hier sein dürfen holen wir auch gleich noch unsere Drohne raus. Wär nicht so gut wenn uns die falsche Person hierbei erwischen würde, aber die Aufnahmen sind es wert. Beim Weg nach unten bemerken wir etwas, dass uns beim Hochgehen nicht aufgefallen ist. Hinter dem Tor riecht es ein wenig nach totem Tier und wir entdecken eine tote Maus in einem Nest aus Sträuchern, zusammen mit etwas Schlangenhaut. Ach du scheiße. Unser Weg hinunter verläuft dann ein wenig langsamer und vorsichtiger wie zuvor. Trotzdem planen wir gleich für den Sonnenuntergang nochmal herzukommen. Das ist eindeutig der beste Spot den man finden kann. Wir fahren auch oft einfach drauf los zu den nächstbesten Tempeln die wir so sehen, kommen dabei auch mal ein bisschen ab vom Weg und tuen uns ein bisschen schwieriger mit dem Fahren. Es ist überall Sand und manchmal so tief dass man eher von Gehen als Fahren sprechen kann.

Zum Sonnenuntergang sind wir wieder bei unserem privaten Tempel. Nachdem wir sehr vorsichtig über das Tor, durch das Schlangennest klettern, sind wir mit zwei Flaschen Bier oben angekommen. Es liegt ein oranger Rucksack da, der uns irgendwie bekannt vorkommt. Als wir über den schmalen Weg auf die andere Seite des Tempels gehen, können wir kaum fassen wen wer da sehen. Jan, der bei unserer Wanderung am Inle Lake dabei war sitzt da mit seiner Spiegelreflex griffbereit. Er macht uns gleich klar leise zu sein und uns zu ducken und redet irgendwas von „Police“. Wir setzen uns hin und sehen uns eine Zeit lang schweigend den Sonnenuntergang an, fotografierend – versteht sich – und mit Bier. Nach einer Weile sagt Jan nur „Well, it is really a crazy coincidence, right ? Among thousands of tempels we meet here.“ Ja, das ist schon ein bisschen verrückt. Er erzählt auch, dass zwei Holländer ein paar Tage davor festgenommen wurden, weil sie hier hochgeklettert sind, deswegen ist er also so vorsichtig. Wir denken nur daran, wie wir hier beim Sonnenaufgang mit der Drohne rumgeflogen sind.. „mhmh…“. Jan hat eine ältere Spiegelreflexkamera, aber macht bestimmt wahnsinnig gute Bilder damit. Für Sonnenuntergänge, oder allgemein wenn es zu dunkel ist, sind Handykameras einfach nicht ausgelegt. Wir trinken unser Bier fertig und Jan verabschiedet sich für’s Erste wieder. Zum Abendessen probieren wir noch das beste Restaurant aus, das man in Maps.Me in der Nähe findet. Top Burger !

Nur noch der nächste Vormittag bleibt uns zum Rumfahren, wir versuchen noch ein paar Drohnenvideos zu machen und geben dann die Roller bei unserem netten Scootermädchen ab. Wir haben auch den Bus über sie gebucht. Sie ist 20 Jahre alt und schmeißt den Laden ganz alleine. Meistens sitzt sie den ganzen Tag in ihrem kleinen Pavillon drinnen mit einem großen Hut ins Gesicht gezogen und Fecher oder Ventilator zum Kühlen. Sie will noch ein Foto mit uns machen. Um 14 Uhr geht’s weiter nach Mandalay.

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