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Myanmar: Anreise über Kuala Lumpur nach Yangon

Wegen schlechten Flugverbindungen nach Myanmar legen wir wieder ein Land drauf, wenn auch nur als Stop-over. Wir kommen am 11. Mai in Kuala Lumpur an. Das erste Mal seit Beginn unserer Reise haben wir unser eigenes Apartment. Wir sind in einem riesigen Hochhaus untergebracht, auf dem 37ten Stock haben wir einen Infinity Pool. Kuala Lumpur ist sehr westlich und sauber, so stellen wir uns auch Singapur vor. Wir gehen ein bisschen durch Shopping Centers und auch mal lange feiern an einem Tag, genießen ansonsten einfach unser Apartment Life, haben ordentlich eingekauft und bekochen uns selbst.

Am 14. Mai geht’s dann weiter. Dreieinhalb Stunden Flug nach Yangon, Myanmar. Dort herrscht wieder mal überwältigende Hitze. In unserem Dorm im Merchant 501 Bed & Breakfast macht die Klimaanlage aber einen fast schon zu guten Job und jedes Bett im Dorm hat Vorhänge. Wir sehen uns den ersten Shwe Pagoda („goldener Tempel“) in unserer Nähe zu Fuß an und nehmen uns dann ein Grab zum bekanntesten Shwe Pagoda von Yangon, der auch um einiges größer ist. Grab ist übrigens sowas wie Uber, sehr verbreitet in Südostasien und man bekommt immer bessere Preise als wenn man einfach die lokalen Taxis nutzt. Man muss natürlich seine Schuhe ausziehen um den Tempel zu betreten, kennen wir ja schon. Außerdem muss man aber auch seine Beine bedecken, also bekommen wir ein Tuch zum umbinden. Es sieht aus wie ein langer Rock, genannt Longyi oder Sarong. Das Tempelgelände hat die große goldene Tempelspitze in der Mitte und mehrere kleinere Tempel rundherum. Es gibt mehrere Rituale an denen man sich beteiligen kann, wie uns Einheimische dort erklären. Man erkennt schon Unterschiede zu Indien. Die Leute sind hier einfach nur interessiert und freundlich, sie erklären einem auch die Religion, wollen aber danach kein Geld oder „Come quickly have a look, there is my shop.“ Man gewöhnt sich in Indien schnell an solche Leute abzuwimmeln, die einen ohne Grund fragen woher man kommt und wie’s so läuft oder sowas. Jetzt müssen wir uns das wohl wieder abgewöhnen. Um den Tempel sind Waschstationen aufgebaut. Dabei kann man Karma sammeln indem man die Waschstationen für seinen Geburts-Wochentag sucht und dann die Buddha Statue 7 – 10 mal mit Wasser überschüttet. Man kann auch wieder den Gong schlagen, aber muss dabei genau drei mal hintereinander schlagen. Allgemein halten wir das für ziemlichen Unsinn, aber machen trotzdem mal mit.

Abends gehen wir zu einem All you can eat BBQ place mit Tischgrill bei dem wir für einen fixen Preis, allerhand gutes Fleisch, Garnelen und auch Bier umsonst bekommen für zwei Stunden Zeit. Das nutzen wir natürlich total aus, vor allem das Bier. Den Luxus von Kuala Lumpur haben wir uns vielleicht noch nicht ganz abgewöhnt, aber man gönnt sich ja sonst Nichts. 

Wir hatten nicht vor lange in Yangon zu bleiben. Nach einer Nacht nehmen wir noch das Frühstück mit und erstellen unseren Reiseplan durch Myanmar. In unserem Hostel lernen wir Jasper kennen. Ein Belgier, 19 Jahre alt, zwar ein kleiner Altersunterschied, aber er reist gleich kurzfristig mit uns mit. Wir buchen einen Bus für 17 Uhr nach Kalaw, von wo aus wir zu dem bekannten Inle Lake wandern wollen. 

Leider kommen wir nicht gut voran. Der Bus hat eine Panne und wir stehen zwei Stunden bevor uns ein anderer Bus aufgabelt, also alle Leute und Gepäck raus und schon geht’s weiter. So kommen wir zumindest am Morgen an, wenn die Tourist Offices schon geöffnet haben. Jasper weiß eine Empfehlung und wir buchen gleich unsere Wanderung mit Jungle King. Es beginnt am nächsten Morgen um 9 Uhr mit einer Übernachtung in einem Kloster und dann kommt man am Tag darauf schon an. Das Problem mit unserem Gepäck ist auch gleich erledigt. Die Taschen werden zum Inle Lake nachgeliefert, direkt zum Guest House. Das buchen wir als auch gleich noch schnell und sehen dann wo wir die Nacht in Kalaw verbringen. 

Wir checken im Golden Kalaw ein. Unsere Gastgeberin ist eine ältere asiatische Frau, die sehr streng zu ihren Angestellen ist, wie wir zumindest vermuten, und vielelicht nebenbei auch eine Rapkarriere am laufen hat. Sie sagt dauernd „Yeah yeah yeah“ auf jede Frage und sagt allgemein gerne „yeah“ als Lückenfüller, wenn sie irgendwas erklärt oder über den Ort erzählt. Die Währung in Myanmar sind übrigens kyat, gesprochen „Tschat“, wobei 2700 ks gleich einem Euro sind. Super Wechselkurs.

Unsere hippe Gastgeberin empfiehlt uns ein einheimisches Restaurant bei dem man anscheinend Nudeln für nur 1000 ks bekommt. „Is it open now ?“ Es ist schon nach 12 und meistens machen die Einheimischen da gerne gar nichts, es ist zu heiß. Außerdem gibt es auch keinen Strom bis 14 Uhr. In der ganzen Stadt. „yeah is open, yeah yeah.“ „When will the electricity be working again ?” “So it’s – yeah – from 7 to 12, everyday, yeah, and then from 14 to 19 – yeah.” “So there is no electricity in the night to charge our phones?” “Oh, yeah yeah there is – yeah – again from 11 PM, yeah.” “Ok, good.. yeah.” “Yeah, yeah yeah.” Wir probieren’s also mal beim Restaurant, aber haben kein Glück. „Sorry, no electricity.“ Ach was. Wir trinken in der Zwischenzeit einen Kaffee und gehen nochmal um 14 Uhr zum Restaurant. „Sorrryyy, no.. my mother not here, and I – I cannot, hahaha.“ Sehr witzig, Unsere Freestyle-Rapperin hat uns auch erzählt, dass ein Festival bei ihnen stattfindet, das sogenannte Rocket-Festival. Wir geben also auf mit der Restaurantsuche und entscheiden uns einfach dort was zu essen.

Das Fest ist total verrückt. Zuerst sehen wir nur viele Stände mit selbstgebauten kleinen Raketen, die man sich kaufen kann, genauso wie Stände mit Streetfood, Biere und jede Menge lokales Obst. Wir probieren Mangostücke über die man eine Gewürzmischung aus Salz und sehr scharfes Chili-Pulver gibt, keine schlechte Idee. Die kleinen Raketen hauen uns aber noch nicht so um. Bis wir dann zu dem Hauptplatz kommen an dem sich auch die meisten Einheimischen versammelt haben. Eine ungefähr sieben Meter hohe Rampe aus Bambus ist aufgebaut. Gruppen von Einheimischen machen Trommelmusik im Takt und tragen lange Bambusstöcke auf ihren Schultern, wir wissen erstmal nicht was das soll. Bis wir es dann erkennen. Es sind Raketen. Fünf Meter lange, selbstgebaute Raketen. Wie bei den Umzügen bei uns daheim gibt es verschiedene Vereine, viele davon mit gleichen Shirts und jeder mit einer großen Rakete dabei. Es dauert eine Weile bis die Rakete auf die Abschussrampe getragen und fixiert wurden. Das geht ja mit Sicherheit gut aus, wir haben keine hohen Erwartungen.

Bambusrampe zum Raketenabschuss

Aber wir werden extrem überrascht. Die Einheimischen weichen alle ein paar Schritte zurück als die lange Zündschnur angezündet wird und warten geduldig. Mit einem extrem lauten Ton wie von einem Düsenjet schießt die Rakete dann hunderte Meter in die hügelige Landschaft. Die Leute rennen wie verrückt in den Rauch hinein und tanzen aufgedreht zu der Trommelmusik- was für ein Wahnsinn. Die sind ja total durch. Das ganze geht dann so weiter bis alle Gruppen ihre Raketen abgefeuert haben. Eine explodiert mal, anscheinend passiert auch jedes Jahr irgendwas. Wundert uns nicht. Wir unterhalten uns mit ein paar Einheimischen und treffen aber auch ein paar andere Touristen. Da wissen wir noch nicht, dass wir auch schon unsere Wanderkollegen vom kommenden Tag getroffen haben.

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