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Myanmar: Mandalay & More

Es ist schon Abend als wir in Mandalay ankommen. Wir checken in das billigste Hostel ein und gehen noch ein bisschen durch die Stadt. Nicht besonders schön, ähnlich wie Yangon. Auffällig ist, dass es sehr viele Bier Häuser gibt, an denen sich die Einheimischen auch schon Nachmittags gerne ein paar Halbe aus Glaskrügen genehmigen. Wir sitzen natürlich auch gleich drinnen, das Bier ist gut und nicht so teuer wie in Yangon.

Am nächsten Tag wollen wir gleich weiterkommen mit unseren Sightseeing-Plänen, denn wir haben nicht mehr viel Zeit in Myanmar und unser Flug geht von Yangon aus. Es steht uns also noch ein Reisetag bevor. Wir fahren innerhalb von zwei Tagen nach Pyin Oo Lwin und dann in die Richtung der Goteik Brücke. Es ist die höchste Brücke in Myanmar und zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung um 1900 war es sogar die größte Eisenbahn-Brücke der Welt. Sie wurde von den Briten gebaut. Jetzt kann man in Schrittgeschwindigkeit drüberfahren, das ganze Spektakel dauert ungefähr 10 Minuten – für die man praktisch zwei Stunden hin und her fährt. Aber uns ist es das auf jeden Fall wert. Den Rest der Fahrt trinken wir Bier zur Feier des Tages – Mat’s Geburtstag. Das macht die Fahrt natürlich um Einiges erträglicher, auch wenn der Zug auch ohne Bier ordentlich hin- und herschaukelt.

Abends sind wir wieder in Mandalay und checken in ein cooleres Hostel ein – Ostello Bello. Immer noch zur Feier des Tages. Da gibt es ein Rooftop und es ist Karaoke Nacht. Die Leute hier drehen total durch wenn es um Karaoke geht wie viele andere Asiaten auch. Wir lernen Jasmine kennen, eine Burmesin, die hier übernachtet um Leute kennenzulernen. Sie verkauft Jade im Markt. Sie ist außerdem ein bisschen verrückt und spontan. Nachdem wir ihr sagen, dass wir in Mandalay noch die Wasserfälle und ein bisschen mehr sehen wollen, bietet sie uns an am nächsten Tag mit ihr dort hinzufahren. Ihr Auto steht vor dem Hostel. Taxi umsonst, warum nicht !

Unser erster Stopp sind die Dee Doke Wasserfälle. Man muss fast eine Stunde aus der Stadt rausfahren und dann noch eine kurze Wanderung einlegen. Zum Schluss sogar noch ein bisschen klettern, je nachdem auf welche Ebene des Wasserfalls man will. Das Wasser ist türkisblau, es sieht aus wie eine Lagune. An mehreren Stellen kann man ins eiskalte Wasser springen und sich ein bisschen treiben lassen. Es sind viele andere Leute da, aber größtenteils Einheimische. Trotzdem ist es sehr entspannend bei der Hitze. Wir treffen auch wieder auf bekannte Gesichter. Ein Pärchen aus Frankreich, die wir kennengelernt haben als wir am Inle Lake kurz in ein indisches Restaurant gegangen sind um Bier zu kaufen. Wir tauschen uns ein bisschen aus wie man es oft mit anderen Touristen macht – wo wir schon waren, was sie schon gesehen haben, erzählen von der Goteik Brücke. Sie sind einen anderen Weg zum Wasserfall hochgeklettert. Als sie wieder zu ihren Sachen runtergehen steigt die Französin in eine Glasscherbe und blutet ziemlich. Wir haben Verbandszeug dabei und leisten mal erste Hilfe. Viele Leute verletzen sich irgendwie um diese Wasserfälle herum, es ist zwar nicht weit zu gehen oder sonderlich anstrengend, aber das Klettern ist oft gefährlich. Auch Jasmin hat noch einen Bluterguss der von dort ist. Wir wollen noch den Sonnenuntergang sehen und es wird schon spät. Die Franzosen bedanken sich und man wünscht sich eine gute Weiterreise. Und gute Besserung. Nicht weit von den Wasserfällen ist noch ein Wasserpark zu dem wir fahren, aber er ist ziemlich für Kinder ausgelegt, also keine Chance auf Banana Boat. Wir essen dort nur was und sehen bald zu, dass wir zum Mandalay Hill kommen, von wo aus wir den Sonnenuntergang über Mandalay ansehen wollen.

Es ist ein hochgelegene Tempelanlage von wo aus man als Tourist hochfährt. Leider darf man oben weder Bier trinken noch rauchen. Schlechte Ausgangssituation für einen guten Sonnenuntergang. Wir sind außerdem viel zu früh dran, also rennen wir ein bisschen im Kreis, sehen uns die Säulen und Statuen des Tempels an. Es sind viele Mönche hier und anderen Einheimische, sie sitzen manchmal im Kreis für eine Art Training. Jasmin erzählt uns davon. Sie lernen praktisch Englisch und das hier ist der Touristenpunkt um ihr Englisch in Live Action auszuprobieren. Wie ein Praktikum mit echten Menschen sozusagen. Auch wir machen die Erfahrung und werden angesprochen als wir in Richtung Sonne am Geländer stehen. Ein älterer Burmese, vielleicht um die 45 Jahre, kommt mit seinen beiden Schülern an und fragt ob es Okay ist dass wir Englisch sprechen. Wir sagen natürlich ja und unterhalten uns, erstmal nur Namen und Alter, was man macht und so weiter. Dann wird eine halbe Stunde irgendwas gelabbert. Sogar der Lehrer hat um ehrlich zu sein, dafür dass er sowas wie einen Doktor in Englisch hat, kein sonderlich gutes Englisch, aber gut genug zur Verständigung. Die Gesamtsituation ist trotzdem ein wenig schräg. Bald wimmeln wir sie ab und sehen uns den Sonnenuntergang an. Die beste Szene dabei: Diskutierende Mönche vor dem Sonnenuntergang über Mandalay. Passend zur Atmosphäre.

Jasmin setzt uns wieder am Hostel ab, aber wir machen gleich aus dass wir uns in einer Stunde wieder treffen, was Essen und irgendwo weg gehen. Wir gehen zuerst in eine Bar. Dort lernen wir mehrere Einheimische kennen, die uns alle einladen weiterzufahren in eine Rooftop Bar. Wir haben eher reiche Leute kennengelernt in einem armen Land. Sie kommen uns auch nicht direkt symphatisch vor, zumindest der Typ der anscheinend reich ist. Es ist aber trotzdem sehr lustig mit Jasmin und den anderen Einheimischen. Um zwei Uhr morgens macht alles zu, nur noch Karaoke hat auf. Also nichts wie hin. Es ist der einzige Ort wo man noch Bier bekommt und dazu in einem privaten Raum singen kann. Eigentlich recht witzig und es macht auf jeden Fall Sinn, dass es so erfolgreich ist, wenn es sonst nirgends Bier gibt. Man kann also nicht sagen, dass man in Myanmar nicht feiern kann, wenn man will.

Am darauffolgenden Tag machen wir dementsprechend wenig. Wir sitzen nur im Hostel rum, genießen den kostenlosen Kaffee den es den ganzen Tag gibt und das gute Essen (verdammt cooles Hostel). Wir lernen Rebecca kennen. Sie ist mit Krücken unterwegs, auch ein kleines Unglück auf dem Weg zu den Dee Doke Wasserfällen, das kann ja wirklich kein Zufall mehr sein. Sie ist halb Österreicherin, halb Holländerin, wir können uns also auf Deutsch – oder sogar bayrisch unterhalten. Sie ist ganz glücklich, dass wir auch den ganzen Tag nichts anderes vorhaben als im Hostel rumzusitzen, so hat sie wenigstens Gesellschaft. Allerdings fährt unser Bus nach Yangon am Abend, wir connecten uns auf Instagram und machen aus dass wir uns auf den Philippinen treffen. Sie ist auch länger unterwegs.

In Yangon waren wir ja schon am Anfang. Wir haben noch den Tipp von Rebecca bekommen uns einen verlassenen Freizeitpark anzusehen, der anscheinend mitten in der Stadt ist. Das machen wir also noch und das ist es auf jeden Fall wert. Wir klettern einfach irgendwo über einen Zaun, bei den offiziellen Eingängen kassieren anscheinend manchmal die Einheimischen ab. Obwohl wir Moskitospray dabei haben ist es kaum auszuhalten. Wir sind an einem Ort, den die Natur wieder zurückerobert hat. Moosbedeckte Achterbahnkarren, abgenutzte Karusselle, Schiffschaukeln, riesige Achterbahnschienen dekoriert mit hängendem Efeu im Freizeitparkdschungel.

Außer uns sind nur noch ein paar wilde Hunde im Park, die es sich hier anscheinend heimisch gemacht haben. Das macht das Ganze noch gruseliger. Jedes Mal wenn wir sie sehen bellen sie aufgeregt und wir halten uns erstmal zurück. Es ist nicht wirklich die Art von Hunden denen man zu Nahe kommen will. So gehen wir durch den Park bis wir jedes überwucherte Fahrgeschäft gesehen haben – immer im Kreislauf mit den Hunden. Perfekter Ort zum Paintball spielen. Aber sogar in einer großen Stadt wie Yangon in Myanmar scheint er einfach in Vergessenheit geraten oder im Hinblick auf den wachsenden Tourismus als Attraktion der Natur übergeben geworden zu sein.

Es ist unsere letzte Sightseeing Tour in Myanmar, mal was Anderes als Tempel. Was Neues und für unseren Geschmack mittlerweile Interessanteres. Am nächsten Tag geht unser Flug weiter nach Hanoi. Wir sind bis dahin wieder zurück im Bed’n’Breakfast Merchant Road 501.

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