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Myanmar: Wanderung zum Inle Lake

Am nächsten Morgen bekommen wir ein gutes Frühstück und werden um 9 Uhr aufgegabelt, verabschieden uns dabei mit vielen „Yeah’s“ von unserer Gastgeberin. Wir lassen unsere Taschen bei Jungle King und treffen unter anderem die Leute vom Rocket Festival. Mit uns sind bei der Wanderung noch Jan aus Belgien, Blake aus den USA, Markus aus Deutschland, Daniel aus Schweden, Theresa aus Deutschland und eine Chinesin die nicht sehr gesprächig ist und dauernd angezogen ist wie ein Eskimo in der brutalen Hitze (in China mag man nicht braun werden).

Die erste Station legen wir mit einem kleinen Truck zurück, dann beginnt unsere Wanderung. Mimi, unsere burmesische Tourguide, ist recht witzig drauf und zeigt uns mehrere Pflanzen auf dem Weg, aber nur Chilis, Knoblauch und Ingwer. Nichts exotisches also. Die Landschaft ist auch abwechslungsreich, auffällig ist die rote Erde, die uns ein wenig an Madagaskar erinnert. Im Gegensatz zu Nepal ist es aber nicht sonderlich anstrengend. Wir machen alle halbe Stunde eine Pause und meistens geht man nicht bergauf sondern bleibt auf der gleichen Höhe. Das einzig anstrengende ist die südostasiatische Sonne . Deswegen legen wir auch zwei Stopps ein und baden im Fluss, einmal zusammen mit asiatischen Büffeln. Wir gehen über Bambusbrücken, die manchmal gar nicht mal so einfach zu überqueren sind. Jedoch ist jeder vorsichtig genug und meistens kann man sich an einem Bambusgeländer festhalten. Zur Mittagspause sind wir bei Einheimischen und bekommen viel verschiedenes Essen an dem sich jeder bedienen kann. Wir haben Poker Karten dabei und Markus zeigt uns damit ein paar Kartentricks, was auch die Einheimischen interessiert. Auf einmal stehen ein paar Männer ums uns rum und diskutieren aufgeregt.

Auch mit den Anderen unterhalten wir uns natürlich während der Wanderung. Für Theresa gehen sechs Monate Reise gerade zu Ende, sie will noch nach Thailand an den Strand und fliegt dann von Bangkok zurück nach Deutschland. Daniel war längere Zeit in Südamerika und erzählt uns Einiges davon, was wir mit Sicherheit vergessen haben werden bis es bei uns so weit ist. Auch Jan war schon mal für sechs Wochen in Südamerika und hat dafür eine ganze Menge gesehen.

Später kommen wir in einem Kloster an, wo wir die Nacht verbringen. Dabei liegen Matratzen am Boden eines großen Gebetsraumes der einfach ,mit Tüchern abgetrennt, zu unserem Schlafraum gemacht wurde. Wir nehmen eine öffentliche Bucket-Shower und sitzen nach dem Abendessen bei ein paar Bier am Lagerfeuer. Es ist nicht nur unsere sondern noch eine weitere Gruppe dabei. Irgendwer kommt auf die Idee, das jeder etwas von seiner Reise erzählen muss was er am Verrücktesten fand oder so ähnlich. Uns fällt nichts ein, so wie vielen Anderen, aber ein paar lustige Geschichten kamen dabei schon raus.  Jasper erzählt davon, wie ein Cambodia ihn ein Einheimischer aufgefordert hat ihm sein Geschlecht zu zeigen. Einfach nur weil er wissen wollte wie sowas bei einem Europäer aussieht. Daniel hat einfach eine Geschichte von seinem Freund erzählt, der besoffen war und am nächsten Tag nicht arbeiten wollte, deswegen von irgendjemandem verlangt hatte ihm ein blaues Auge zu verpassen. Am Ende war er mit zwei blauen Augen und angeknacksten Kiefer trotzdem in der Arbeit. War alles recht unterhaltsam, aber uns fällt irgendwie nichts zu Abgefahrenes ein. Vielleicht dauert es noch bis wir auch so Erzähltypen werden. Hoffentlich nicht.

Am nächsten Tag wandern wir oft an Acker und grünen Reisfeldern vorbei, beobachten wie die Einheimischen Landwirtschaft betreiben, manchmal auch mithilfe von Büffeln. In einem Dorf sehen wir einer älteren Frau dabei zu wie sie mit einer am Holzbalken befestigten Machete ihre Getreideballen zerkleinert. Ähnlich sehen wir das Ganze bei einer anderen Hütte nur mit dem Fuß bedienbar. Ein anderer Landwirt kümmert sich um seinen Dünger und stapelt auf seinem Holzzaun Büffelkot zum Trocknen… per Hand aus dem Kotkorb raus. Mhhh… lecker.

Wir kommen schon Mittags am Inle-Lake an. Insgesamt waren es 34 Km Wanderung die zwei Tage. Wir essen und buchen gleich noch für 2000 Ks jeder eine Tour mit einem Bootsfahrer über den Inle See zu mehreren Standard Touri-Plätzen, immer im Abschluss mit Souvenir Shops. Es geht einmal um Silberwaren, einmal um die Longnecks – Frauen die sich mit flexiblen Halsbändern von Geburt an den Hals sehr dünn und lang formen lassen. Das interessanteste ist eher die Lotus Produktion. Aus den Fasern in den Stielen von Lotuspflanzen wird Lotus-Stoff hergestellt, der dann zu Textilien verarbeitet wird. Ist aber ehrlich gesagt nicht sonderlich angenehm anzufassen, dafür dass die Produktion so aufwendig ist. Die Fahrt zwischen den einzelnen Stationen ist das Angenehmste. Wir sehen uns die Fischer auf dem See an, die mit großen Körben fischen und eine Rudertechnik entwickelt haben, bei der sie ihre Füße zum Rudern benutzen. Das ist wohl die bekannteste Szene die man vom See kennt. Außerdem noch schwimmende Gärten, allgemein ist die Bootsfahrt durch die einzelnen „Seitenstraßen“ des Inle Lake der beste Teil der Tour.

Wir sind trotzdem glücklich als die Tour vorbei ist und wir endlich zu unserem Guest House gehen können. Wir verabschieden uns von den Anderen, machen aber mit Theresa, Jan und Daniel aus uns am Abend zum Essen zu treffen. Es ist Buddha Day und es gibt eine Art Umzug, von dem wir aber nur erzählt bekommen, und auch ein kleines Fest am Nachtmarkt. Dort treffen wir uns. Es werden einzeln Raketen gezündet, bis sich das Ganze zu einem richtigen Feuerwerk entwickelt, das zum Schluss richtig eskaliert. Die Sicherheitsvorkehrungen sind anscheinend hier nicht so wichtig. Von einem Turm aus fliegen Hunderte Raketen von einer sich drehenden Apparatur weg und landen brennend in der Menge. Wir haben uns eigentlich schon hingesetzt, stehen aber vorsichtshalber nochmal auf damit wir notfalls ausweichen können. Neben unserem Tisch fliegt ein brennendes Überbleibsel einem Einheimischen ins Teiler und dann auf den Schos, der springt auch auf und geht gleich weg. Anscheinend drehen die Burmesen alle ein bisschen durch bei Feuerwerken.

Inle Lake Feuerwerk (Low Quality)

Unser nächster Tag am Inle See ist auch schon wieder unser Abreisetag, unser Bus nach Bagan geht um 19 Uhr. Bis dahin leihen wir uns noch Fahrräder aus und machen eine Weinprobe. Wir holen ein bisschen Blog und Reisetagebuch auf. Dafür findet man auch wirklich nicht oft Zeit, wenn man sich immer beschäftigt hält. 

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