Kultur  Menschen  Stadtleben

Nepal: Grenzüberquerung per Land direkt nach Kathmandu

Unsere Entscheidung war nicht einfach wohin es nach Neu-Delhi weitergehen soll. Wir würden am liebsten nach Nepal. Der Flug ist uns mit 180 € zu teuer. Der Bus nach Kathmandu dauert 23 Stunden, aber wir denken mit einem Sleeper Bus, wie wir es von Indien gewohnt sind, sollte das ja kein Thema sein. In unserem Hostel in Delhi finden wir heraus, dass es aber nur Seater Busse sind, also mit normalen Sitzen die man zurücklegen kann. Immerhin nur 30 €. Eine andere Option wäre das Himalaya Indiens, also Rishikeish und weiter nördlich. Wir überlegen lange hin und her. Im Endeffekt entscheiden wir uns für die lange Busfahrt nach Nepal, es interessiert uns mehr noch ein anderes Land zu sehen.

Am 27. April starten wir mit dem Bus erstmal zurück in die Richtung von der wir gekommen sind. Wir fahren über Agra, Lakhnau und überqueren nahe Gorakhpur die Grenze. Dabei gibt es natürlich alle drei bis vier Stunden zumindest einen kurzen Halt und auch Raststätten Stopps. In Nepal gibt es auch Rupien, aber nepalesische (ca. 126 NR = 1 EUR). Dadurch dass die Scheine ähnlich sind wie indische Rupien darf man keine 500er und 1000er aus Indien mit über die Grenze nehmen. Im Bus geht ein Mann mit einem Bündel Geld durch und wechselt die Scheine für Jeden, der noch welche hat. Er sieht wie ein Nepaler aus, ganz anders als die Inder. Die Männer haben oft breitere Nasen als die Inder, Hautfarbe ist auch ein wenig anders, aber am markantesten sind die Gesichtszüge. Einfach wie man sich ein Volk vorstellt das in den Bergen lebt. Insgesamt sind wir die einzigen Touristen und die meisten anderen Passagiere sehen auch eher wie Nepaler aus. An der Grenze sind wir auch die Einzigen die aussteigen müssen. Es ist fast Mitternacht. Zuerst müssen wir ins Immigration Office auf der indischen Seite und auswandern. Sie sagen uns auch, dass wir für die Einreise nach Nepal noch ein zusätzliches Lichtbild oder auch eine Ausweiskopie auf Papier braucht. Wir haben beides nicht, einer aus unserem Bus zeigt uns einen Kopierladen auf der anderen Seite der Straße und war machen Kopien von unseren Pässen. Wäre auch zu einfach wenn man einen Kopierer im Immigration Office von Nepal hätte, aber gut. Als wir wieder rauskommen ist unser Bus weg, wir sehen wie er weiter vorne die Straße entlang fährt. Unser ganzes Zeug ist da natürlich drinnen, auf meinem Sitz liegt sogar mein ganzer Rucksackinhalt verstreut, weil mein Pass so vergraben war. Oh man. Vertrauenstest für die Nepaler im Bus. Der Mann vom Bus ist aber noch mit uns dabei und wir gehen die Straße entlang. Unser Bus fährt weiter vorne wieder ohne uns weiter. „We have to go by foot ?“ Bald checken wir, dass wir die Grenze zu Fuß überqueren müssen, als wir auch andere Leute mit Reisetaschen die Straße entlang marschieren sehen. Das Visum für Nepal kostet 25 $ und man kann auch nur mit Dollar bezahlen. Julian hat Gott sei Dank genug für uns beide dabei. Es dauert eine Zeit lang im Immigration Office, wir hoffen dauernd, dass unser Bus nicht ohne uns abhaut. Als wir rausgehen finden wir den Bus wieder auf einem Kiesparkplatz neben der Straße. Alle Taschen wurden abgeladen. Wenigstens mussten unsere anderen Mitfahrer nicht nur wegen uns warten, sondern werden komplett von der Grenzkontrolle auseinander genommen. Wir stellen uns auch dazu, dürfen aber bald unsere Rücksäcke wieder in den Gepäckraum legen. Drohnen darf man übrigens nicht mit nach Nepal bringen. Upps.. sorry, not sorry.

Unsere Fahrt geht noch ein paar Stunden länger. Morgens um 7 ungefähr kommen wir in Kathmandu an und finden es sofort viel besser. Es hat nämlich angenehme 26 Grad, statt 43 Grad in Delhi. Wir werden auch nicht von 100 Taxifahrern belästigt, als wir vom Bus aussteigen. Wir brauchen eher ein bisschen bis wir eines finden und gehen das erste Stück zum Hostel zu Fuß, dabei kriegt man schon mal den ersten Eindruck von Nepal. Die Tempel sehen anders aus als in Indien, schon Vormittags gehen die Leute hinein und drehen an Gebetsmühlen. Bei einem Tempel sehen wir drinnen eine riesige Gebetsmühle die sich durchgehend dreht. Typisch von Nepal kennt man auch die bunten Gebetstücher, die quer über Straßen und Gassen hängen. Der Wind bläst dabei die Schriftzeichen aus den Tüchern und spricht dadurch das Gebet. Affen sind überall. Sie klettern auf Mauern, Tempel, Häusern, balancieren über tausende von Stromleitungen die kreuz und quer an Straßenkreuzungen zusammenlaufen und bestimmt jeden Elektriker zum Schlaganfall bringen würden. Mit dem Taxi geht’s weiter in Richtung von unserem Hostel. Wir sind im angesagtesten Stadtviertel von Kathmandu für Touristen abgestiegen: Thamel. Leider ist unser Hostel sehr versteckt. Ein junger Nepaler bemerkt uns und zeigt uns kurz den Weg, dafür will er aber dann 20 $. „Are you crazy ? No way.“ Wir geben ihm 100 NR und gehen einfach rein, was will er schon machen. Unsere Hosteltypen schlafen noch und wir legen uns auch in die Lobby und schlafen. Obwohl wir auch im Bus ein wenig schlafen konnten sind wir trotzdem fertig. Wir können aber bald einchecken und im Dorm weiterschlafen.

Ausgeschlafen gehen wir später aus dem Hostel und sehen uns das Viertel am Tag an. Es sind viele Touris unterwegs, alle sehen entweder ein bisschen sportlich, wandermäßig oder total hängen geblieben aus. Es gibt viele Läden in denen man lässige Klamotten, wie Aladdinhosen oder dicke Wollpullis, kaufen kann. Außerdem jede Menge North Face Läden, alles gefälscht natürlich, ist aber auch sehr billig. Zuerst informieren wir uns im nächsten Tourismus Büro über die möglichen Wanderungen die man machen kann.

Wir können uns entscheiden zwischen den Gebieten Everest, Annapurna und Langtan. Wir haben nur knapp zwei Wochen insgesamt in Nepal. Deswegen und auch wegen Kostengründen, und weil wir schon oft gehört haben, dass die Landschaft dort super sein soll, entscheiden wir uns für den Annapurna Trek. Wir holen uns noch ein paar Infos und planen den ABC Trek (Annapurna Base Camp). Danach wollen wir noch zum Poon Hill und haben damit ungefähr zehn Tage eingeplant. Sollte klappen. Jetzt brauchen wir noch ein wenig Ausrüstung. Wir haben zwar unsere Northface Jacken ,Wanderhosen und -schuhe dabei, aber brauchen noch Handschuhe, Mütze, Thermounterwäsche, eventuell Trekking Sticks. Wir bekommen alles gefälscht, aber in keiner schlechten Qualität und für unter 25 €. Außerdem brauchen wir noch die Erlaubnis für den Nationalpark und die TIMS Karte (Trekker Information Management System). Beides zusammen kostet uns nochmal 5000 NR (= 40 €). Wir fahren dafür zum Tourist Office in Kathmandu. Man braucht wieder Lichtbildfotos, aber diesmal gibt es ein Nebenzimmer in denen man kostenlos welche machen lassen kann.

„Do not forget anything for your trekking“

Den restlichen Tag machen wir ein bisschen Sightseeing Tour durch Kathmandu, sehen uns ein paar Tempel an und sowas. In einem Platz nicht weit von uns gibt es einige davon, man muss aber bezahlen (natürlich nur als Touri). Wir kehren um und gehen über einen anderen Weg auf den Platz, es ist immerhin alles öffentlich. Ein bisschen was von der Stimmung kriegen wir mit – jede Menge Tauben auf den Tempeldächern und dem Platz verteilt, irgend jemand spielt Flöte, Mönche – dann wird wieder eine Wache auf uns aufmerksam und bringt uns zum nächsten Kassenhäuschen. Wir tun nichtsahnend. „Ah no, then not.“ Ich muss dran denken, wenn ich das Nächste mal einen Touristen am Marienplatz rumlaufen sehe, dann verlang ich auch einfach Geld. Wir sehen uns noch einen großen Tempel auf einem Hügel an. Man geht ein paar Treppenstufen hoch, schon mal unser Warmup für die Wanderung. Gebetstücher sind überall um uns herum aufgehängt, man sieht viele Affen. Wir holen uns ein bisschen Karma durch Rumdrehen an Gebetsmühlen. In den Läden werden große metallische Schalen verkauft, wenn man mit einem Stock um den Rand der Schale fährt geben sie unterschiedliche Töne und vibrieren durch die Schwingungen. Man kann aber auch einfach draufschlagen. Genauso gibt es die klassischen „Gongs“. Julian schlägt in einem Laden so fest auf einen drauf, dass drinnen und draußen jeder hochzuckt. „Ohh not so much.“ Die Verkäuferin lacht.

Außerdem besuchen wir noch eine weitere Tempelstätte, eine sehr wichtige für die Hindus. Man darf auch nicht rein als Tourist, „Entrance only for Hindu“. Wir fühlen uns zuerst ein bisschen verarscht, weil uns jemand für 1000 NR ein Eintrittsticket verkauft hat, aber finden dann raus dass man über einen anderen Weg doch noch ein bisschen was sehen kann. Wieder entdecken wir eine Verbrennungsstätte, dieses Mal sogar mit weniger Problemen als in Varanasi. Die Feuer waren direkt am Flussufer in der Tempelanlage, man konnte dort entlang gehen und niemand hat uns aufgehalten oder wollte uns für Geld irgendwas erklären oder durchführen. Zwei Leichname wurden gerade verbrannt, als wir vorbeigingen, Familienangehörige standen oder saßen am anderen Straßenrand. Ansonsten sehen wir wieder mehrere kleine Tempel nebeneinander.

Wir gehen noch Abendessen und legen uns bald hin. Die Busfahrt nach Pokhara buchen wir über das Hostel und dauert sieben Stunden. Es ist also noch ein Reisetag notwendig bevor wir mit dem Wandern loslegen können.

Eine Antwort schreiben